Ab August 2026 haben alle Kinder der ersten Schulklasse Anspruch auf ganztägige Bildung und Betreuung, in den Folgejahren wird das auf alle Grundschulklassen ausgeweitet. Um diesem Anspruch zu genügen, muss die Stadt Ansbach in den kommenden Jahren kräftig in ihre Grundschulen investieren.
Der Kämmerer spricht von einem Gesamtpaket von rund 30 Millionen Euro. Im Sitzungssaal des Stadthauses wurde es ein wenig eng bei der gemeinsamen Sitzung von Bauausschuss und Schul- und Kulturausschuss. Die Stadt Ansbach will langfristig an allen ihren Grundschulen eine offene Ganztagsschule anbieten – jetzt mussten beide Ausschüsse entscheiden, auf welchem Weg das zu erreichen ist.
Bisher gibt es nur an zwei städtischen Grundschulen ein Ganztagsangebot: in der Güllschule und in Schalkhausen. An den anderen Standorten werden Mittags- und Hausaufgabenbetreuungen angeboten, die ab kommendem Jahr von 15.30 auf 16 Uhr ausgeweitet werden, um zunächst dem Rechtsanspruch auf Ganztagsbetreuung zu genügen.
Doch wie geht es mittel- und langfristig weiter? Oberbürgermeister Thomas Deffner sprach von einem „finanziellen Kraftakt“ – und die Dimensionen wurden beim Vortrag von Hochbauamts-Chef Dr. Frank Simons deutlich. „Wir haben alle Schulen und Grundrisse angeschaut und mit einem fiktiven Raumprogramm verglichen“, sagte er.
Die Verwaltung favorisiert zunächst den Ausbau der großen Standorte Luitpold- und Weinbergschule – was allein rund elf Millionen Euro kosten wird. Wenn Eltern an den anderen Standorten auf einer Ganztagsschule bestünden, würden die Kinder zu Schulen mit Ganztagsangebot zugewiesen.
Kämmerer Christian Jakobs sprach von einem Gesamtpaket von rund 30 Millionen Euro und einer erwarteten Förderquote von rund 70 Prozent, weil nicht alle Baumaßnahmen förderfähig seien.
Grünen-Fraktionschefin Meike Erbguth-Feldner mahnte an, man müsse sich die einzelnen Schulen genauer anschauen: „Welches pädagogische Schulkonzept steht jeweils dahinter?“ Auch sei wichtig, dass die Schule nicht durch die Ganztagsbetreuung beengt werde, sodass Unterricht in einem feuchten Keller stattfinde, wie es zurzeit in der Luitpoldschule der Fall sei.
Hochbauamts-Chef Simons versicherte, es gebe eine „abgestufte Entscheidungskette“. Und dabei werde man natürlich auch gemeinsam mit den Schulen ein pädagogisches Konzept erarbeiten: „Wir brauchen jetzt den Beschluss, danach passiert genau das, was Sie gesagt haben.“
CSU-Stadträtin Elke Beyer erklärte, sie könne Erbguth-Feldner nicht folgen: „Einerseits fordern Sie, schnell zu handeln, anderseits wollen Sie jede Schule noch mal umfangreich überprüfen.“ Ihr Fraktionskollege Jochen Sauerhöfer sagte, man könne „nicht noch eine Runde drehen“. Der städtische Anteil bei den beiden favorisierten Schulen betrage rund vier Millionen Euro, „die in den kommenden Haushalt eingeplant werden müssen“. Und OB Deffner wies darauf hin, dass das Baureferat aus personellen Gründen maximal Maßnahmen für sechs Millionen Euro im Jahr umsetzen könne.
Erbguth-Feldner fragte deshalb: „Können wir Luitpold- und Weinbergschule dann überhaupt gleichzeitig stemmen?“ Oder sei es nicht sinnvoller, neben der Luitpoldschule einen kleineren Standort wie die Grundschule Eyb anzugehen. Boris-André Meyer von der Offenen Linken schlug in die gleiche Kerbe und regte an, wenigstens in den Beschluss aufzunehmen, dass man beabsichtige, auch an den kleineren Standorten zur Ganztagsschule zu kommen – was der OB zusicherte.
Kämmerer Jakobs machte noch einmal deutlich, warum man zunächst die großen Schulen angehen will: Aufgrund der hohen Förderquote sei es sinnvoll, zuerst die großen Standorte anzupacken: „Wenn wir warten, bis die Luitpoldschule abgeschlossen ist, sind die Fördergelder für die Weinbergschule weg.“
Tatsächlich dürfte die Umsetzung an den weiteren Grundschulen unterschiedlich aufwendig ausfallen. Zu einem Problemfall könnte die Karolinenschule werden, wo der Raumbedarf auf dem bestehenden Grundstück schlicht nicht zu decken ist. Die Verwaltung wird deshalb beauftragt, bis Mitte 2026 nach einem alternativen Standort zu suchen.
Wie auch immer: Nach Simons Berechnungen wird allein die Karolinenschule rund 4,6 Millionen Euro kosten. Der Investitionsbedarf für die Standorte Karolinenschule, Eyb, Brodswinden/Meinhardswinden sowie Hennenbach wurde in die mittel- und langfristige Finanzplanung der Jahre nach 2026 aufgenommen.
Nach fast zweistündiger Beratung stimmten beide Ausschüsse einstimmig dem Beschlussvorschlag der Verwaltung zu.