„63 aus Unterfranken, zwei aus Mittelfranken“, meint Ernst Grosch nur. Klar, dass er, die ganze Familie und ein eigener Fan-Bus seine Enkelin Anne Gümpelein am Freitag, 22. März in Aschaffenburg unterstützen werden. Sie kandidiert für das Amt der Fränkischen Weinkönigin.
Dass die 23-Jährige keine Scheu hat, vor Fremden zu sprechen, merkt man sofort. Das war schon immer so. Sie lacht und erinnert sich an eine Erzählung ihrer Mutter Anke: „Schon mit sieben Jahren, als Mama Weinproben gehalten hat, habe ich anscheinend gedrängelt: ’Ich will auch etwas sagen!’“ Wenn die Gäste dann amüsiert zustimmten, dann erzählte die kecke Kleine ihnen irgendwas über die Schule und ihr Leben.
Das Leben mit drei Generationen auf dem Weinhof, Feriengästen, der Heckenwirtschaft und Feiern: Die Gastfreundschaft bestimmte das Leben der Kandidatin aus dem Sugenheimer Teilort Krassolzheim von klein auf.
Sie habe schon länger damit geliebäugelt, sich für das prestigeträchtige Amt zu bewerben. Gereift sei der Gedanke dann seit 2020, ihrer Zeit als Weinprinzessin für den Weinbauverein Oberer Ehegrund. „Ich habe einfach gemerkt, dass ich Leute gerne für den Wein und für unsere schöne Gegend begeistere.“
Die Gegend, das ist zunächst mal die Weinwanderwelt mit dem geliebten Mondscheinweinfest, doch der Blick weitet sich: Schon länger unterhält sie gute Beziehungen nach Obereisenheim und nach Kurfranken. Nun fährt sie in Vorbereitung auf die Wahl bewusst herum und besucht zum Beispiel die magischen Punkte des „terroir f“ im fränkischen Weinland. Als Weinkönigin würde sie ja nicht mehr nur ihren Ort, sondern ganz Weinfranken repräsentieren.
Auch vom Fränkischen Weinbauverband wurden alle drei Kandidatinnen schon eingeladen – als Weinprinzessinnen kennt man sich – und ein bisschen auf den Umgang mit Medien vorbereitet. Man besuchte Weingüter und eine Weingenossenschaft. Die drei – neben Anne Gümpelein kandidieren Lisa Lehritter aus Frickenhausen und Laetitia Stockmeyer aus Oberschwarzach – haben sich auf einen Kleidungsstil für den Wahlabend geeignet: Abendkleid oder Jumpsuit stehen zur Auswahl. Bei ihr wird es ein langes Abendkleid sein, verrät die Krassolzheimerin. Sie beschäftigt sich aber nicht nur mit Glamour und Galagarderobe, sondern hilft gleichzeitig beim Rebschnitt in den Weinbergen mit.
Die Kandidatur passt zeitlich gut: Im November machte die junge Frau ihren Bachelor im Fach „International Business“. Auch eine Winzer-Ausbildung wäre in Frage gekommen. „Aber ich wollte mir erst einmal das Wissen aneignen, damit ich einen Betrieb führen kann. Wenn ich unseren Weinhof übernehmen sollte, kann ich immer noch eine Lehre absolvieren.“
Im April könnte es mit dem Masterstudium weitergehen. Klarer Favorit ist aber ein Jahr Studienpause und viele aufregende Kontakte mit prominenten Persönlichkeiten, bis zu 50 Termine in den Boom-Monaten, Fahrten mit dem als Dienstwagen gesponserten BMW und viele neue Freundschaften zum Frankenwein begründen. Kurz: ein Jahr als Fränkische Weinkönigin.
Sie freut sich sehr, dass sie aus ihrem Umfeld so viel positive Resonanz auf ihre Kandidatur erfahren hat. Landrat Helmut Weiß hat schon zugesagt, sie nach Aschaffenburg zu begleiten. Gutes Benehmen, guten Geschmack und Stilsicherheit will Anne dann vor 400 Menschen unter Beweis stellen – laut dem Weinbaupräsidenten Artur Steinmann die Qualitäten, die eine Fränkische Weinkönigin mitbringen sollte. Es ist zwar schwer vorstellbar, dass die selbstbewusste Frau so leicht aus der Ruhe zu bringen ist, aber das wäre zumindest eine gute Gelegenheit für ein bisschen Lampenfieber.
Fachkompetenz gehört natürlich auch dazu: Bei der Vorbereitung stehe ihr ein Kellermeister zur Seite. Vom Hüttenheimer Zweig der Familie hat sie Unterstützung durch einen Winzer und Weinbautechniker.
Vor der Wahl stehen drei Runden: Etwa zehn Minuten ist für eine Vorstellung jeder der drei Kandidatinnen vorgesehen, dabei präsentieren sie auch einen Wein. Danach gibt es drei Standardfragen zu Weinbau, Kellerwirtschaft und Weinmarkt. Drei Fragen aus der Fachjury bilden den Abschluss.
„Ich freue mich auf jeden Fall noch auf die Zeit jetzt. Die Erfahrung nimmt man ja auf jeden Fall mit“, versprüht die junge Frau unabhängig vom Ergebnis schon einmal positive Energie. Aber das Ziel ist trotzdem klar: Die nächste fränkische Weinkönigin soll aus dem Ehegrund kommen.