Nach mehreren Monaten des Schweigens hat die angeklagte Mutter Christina Block im Prozess um die Entführung ihrer Kinder nun wieder das Wort ergriffen. Sie wolle einige Punkte ihrer Aussage aus dem Juli 2025 korrigieren und auf andere Aspekte näher eingehen, sagte die Unternehmerin vor der Strafkammer am Landgericht Hamburg. Mehrmals brach ihr die Stimme weg, als sie über ihre Kinder sprach.
Die 53-Jährige betonte noch einmal, vorab nichts von der Entführung in der Silvesternacht 2023/24 gewusst zu haben. „Ich war weder vorbereitet noch habe ich mit der Rückkehr gerechnet.“ Es gebe auch keine Tagebucheinträge dazu von ihr.
Block räumte aber ein, dass es bereits bei dem ersten Gespräch mit dem mutmaßlichen Chef der Entführer, David Barkay, um die Kinder gegangen sei - aber nur um die Beschaffung von Informationen, die im Sorgerechtsstreit helfen sollten. Zu Prozessbeginn hatte sie ausgesagt, Barkays Sicherheitsfirma habe sich zu Anfang nur um die Cybersicherheit in der Block-Gruppe kümmern sollen.
Das hatte Barkay in seiner Zeugenaussage als unwahr bezeichnet. Seine Angaben hätten die Erinnerung an das erste Gespräch mit ihm zurückgebracht, sagte Block. Sie wisse nun wieder, dass das erste Gespräch in einem Restaurant stattfand, nicht wie von ihr angegeben in einem Hotel. Die Geschehnisse seien lange her, lautete ihre Begründung.
Gut eineinhalb Stunden redete die Tochter des Gründers der Steakhaus-Kette „Block House“ und will ihre Erklärung am Mittwoch fortsetzen.
Der Fall Block hat eine lange Vorgeschichte. Der in Dänemark lebende Vater Stephan Hensel hatte seine beiden Kinder nach einem Wochenendbesuch im August 2021 nicht wie vereinbart zu seiner Ex-Ehefrau Christina Block nach Hamburg zurückgebracht. Viele gegenseitige Vorwürfe und ein langer Sorgerechtsstreit folgten.
Block ist angeklagt, die israelische Sicherheitsfirma damit beauftragt zu haben, ihren damals 10-jährigen Sohn und die 13 Jahre alte Tochter in der Silvesternacht 2023/24 vom Wohnort des Vaters in Dänemark nach Deutschland zu entführen.
Die Tochter des Gründers der Steakhaus-Kette „Block House“ beteuert ihre Unschuld. Insgesamt gibt es in dem Prozess, der bereits im Juli 2025 begann, sieben Angeklagte. Nur ein 37-Jähriger aus Israel hat die Vorwürfe zugegeben. Für alle Beschuldigten in dem Fall gilt die Unschuldsvermutung.
Block selbst sagte, sie habe nicht gewusst, dass die israelische Sicherheitsfirma Monate vor der Entführung am Grundstück ihres Ex-Manns heimlich zwei Kameras installierte. „Ich hätte mich klar dagegen ausgesprochen.“
Sie bestätigte, dass sie im Frühjahr etwa vier Wochen lang in einer Chatgruppe mit dem Namen „Bring Kids Home“ mit den späteren mutmaßlichen Entführern war. „Der Chat hat einen Austausch über die Lage meiner Kinder ermöglicht“, sagte Christina Block. Dass sie dafür ein extra Handy bekam, habe sie als professionelles Vorgehen der Sicherheitsfirma akzeptiert.
Immer wieder sprach die Angeklagte über ihre Gefühle und Verzweiflung nach dem Verschwinden der Kinder im August 2021. „Ich fiel ins Bodenlose. Es begann ein Alptraum, der bis heute kein Ende gefunden hat“, sagte die Mutter. Die Kinder seien fast wie vom Erdboden verschluckt gewesen.
Sie zitierte aus einem Brief, den eine mitangeklagte Verwandte nach einer Fahrt zum Haus von Hensel in Dänemark geschrieben hatte. Darin berichtete die Verwandte, dass sie die Tochter kurz an der Haustür sehen konnte. Das Mädchen sei völlig verwandelt gewesen, sagte sie den Tränen nah. Seine Augen seien „kalt, leer und ängstlich“ gewesen.
Am 72. Verhandlungstag wurde bekanntgegeben, dass eine Richterin in dem Prozess ausfällt. Das sei aber unproblematisch, sagte eine Gerichtssprecherin. Angesichts des langen Verfahrens sei von Anfang an eine sogenannte Ergänzungsrichterin für genau so einen Fall dabei gewesen. „Die Ergänzungsrichterin ist nachgerückt in das Kerngremium, das am Ende hier die Entscheidung treffen wird. Sie hat von Tag eins an jede Sekunde dieser Hauptverhandlung mitbekommen.“
Am Vormittag hatten die Verteidiger Stellungnahmen zur sogenannten Selbstleseliste abgegeben. Nichts aus diesen Hunderten Dokumenten lasse auch nur im Ansatz den Schluss zu, dass sein Mandant überhaupt eine Kenntnis von der geplanten Aktion in der Silvesternacht gehabt habe, sagte der Verteidiger des Ex-Sportmoderators Gerhard Delling, David Rieks. Delling, dem Beihilfe vorgeworfen wird, ist Blocks Lebensgefährte.
In dem Selbstleseverfahren waren zahlreiche Unterlagen zu unterschiedlichen Themen den Beteiligten nicht öffentlich zur Kenntnis gegeben worden. Auch Blocks Verteidiger Ingo Bott betonte, die Dokumente zeigten, Frau Block sei in die Pläne nicht eingeweiht gewesen: „Die Silvesteraktion trägt nicht die Handschrift von Frau Block.“ Hätte sie gewusst, was die Täter vorhatten, wäre sie dazwischen gegangen.
Bott ging auch auf Kalendereinträge des mutmaßlichen Chefs der Entführer zu angeblichen Treffen mit Block ein, die der Mann den Ermittlern übergab. Mehrere Termine seien im Nachhinein einfach behauptet worden, ist der Verteidiger überzeugt.
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