In seiner letzten Gemeinderatssitzung als Bürgermeister gab Karl Schmidt einen persönlichen Rückblick und es wurden die ausscheidenden Ratsmitglieder verabschiedet.
Vor 36 Jahren kam Karl Schmidt als damals jüngstes Mitglied mit gerade mal 28 Jahren 1990 in den Gemeinderat, heute ist er der älteste. Seit der Gebietsreform 1972 wurden laut Schmidt bis jetzt – ohne die Wahl 2026 – 58 Personen in das Gremium gewählt, mit 40 von ihnen durfte Schmidt am Ratstisch sitzen – darunter auch Väter oder Schwiegerväter von aktuellen Ratsmitgliedern.
Schmidt war von 1996 bis 2008 Mitglied im Bauausschuss, ab 2014 war er Zweiter Bürgermeister bis zur Niederlegung des Amtes von Bürgermeisterin Dr. Klose-Violette im Januar 2019. Er wurde ihr Nachfolger.
Schmidt erzählte von ein paar besonderen Erlebnissen während seiner Zeit als Kommunalpolitiker. So wurde in der Sitzung vom 18. März 1991 mitgeteilt, dass der Verkäufer des Grundstückes, auf welchem die geplante Kläranlage entstehen soll, nun deutlich mehr forderte als mündlich vereinbart worden war. Alle Pläne waren laut Schmidt schon fertig und so wurde die Sitzung unterbrochen, und die drei Bürgermeister gingen zum Verkäufer. „Wir warteten etwa eine Stunde und mit etwas Entgegenkommen stimmte der Eigentümer schließlich zu“, erzählte Schmidt.
Unter Bürgermeister Leonhard Lilli sei es üblich gewesen, dass jeder Gemeinderat ein Geburtstagsessen bezahlte. So kehrte man nach den Sitzungen meist im Schlosskeller ein. Da die Ratssitzungen fast immer bis 23 Uhr oder länger dauerten, gab es das Mahl einmal sogar erst nach Mitternacht.
Schmidt erinnerte auch an Gemeinderatsausflüge – unter anderem eine Bootsfahrt auf der Altmühl, bei der ein Boot kenterte. Auch eine Bahnfahrt hatte ihre Tücken, denn ausgerechnet Schmidt selbst erwischte die falsche Ausstiegsstelle. „Ein Pfiff ertönte, die Türen schlossen sich. Der Zug fuhr ab, ich stand allein mit meinen kleinen Kindern am Bahnsteig“, erzählte Schmidt.
Der nicht wiedergewählte erzählte von den ersten Jahren unter Bürgermeister Lilli, in denen viel investiert worden sei. Am 31. Juli 1997 habe es sogar eine höchst seltene namentliche Abstimmung gegeben bei der es um die Vergabe der Erschließung des Wohngebietes „Am Mühlweg” in Herrnberchtheim und gleichzeitig um die Vergabe der Ortskanäle in Bullenheim ging. Hintergrund waren die große Verschuldung und die Gefahr des Kirchturmdenkens. Schmidt erinnerte an die damalige Äußerung: „Wir stimmen für euch und ihr für uns”.
Heute profitiere die Gemeinde von diesen mutigen Entscheidungen von damals, sagte Schmidt. Er überreichte allen Ratsmitgliedern zur Erinnerung ein Fotobuch. Die scheidenden Gemeinderäte erhielten eine Urkunde und das Gemeindewappen in Glas.
Im Einzelnen verabschiedet wurden die Gemeinderäte Gerd Krahmer (Bullenheim, Mitglied von 2014 bis 2026), Volker Friedlein (Ippesheim, 2014 bis 2020 und 2021 bis 2026), Roland Pfeiffer (Ippesheim, 2019 bis 2026) sowie Markus Scherer (Herrnberchtheim, 2020 bis 2026).
Zweiter Bürgermeister Volker Lehrieder blieb es dann vorbehalten, Karl Schmidt zu verabschieden. Seit sieben Jahren sei Schmidt nun Bürgermeister gewesen und die letzten sechs Jahre habe er mit diesem Gemeinderat die Geschicke der Gemeinde gelenkt. Viele Projekte habe er in dieser Zeit angegangen, um die Gemeinde weiter voranzubringen, beziehungsweise für die Zukunft gut aufzustellen. Lehrieder nannte als Beispiele die großen Baumaßnahmen wie den Stauraumkanal inklusive Kläranlagenumbau Ippesheim und die Ortsdurchfahrt in Bullenheim.
Lehrieder erinnerte an die Errichtung der Weinparadiesscheune, den Glasfaserausbau und an den Funkmast in Ippesheim zum (endlich) besseren Handyempfang. Ein Glanzpunkt sei mit Sicherheit der Bau des Dorfgemeinschaftshauses in Herrnberchtheim gewesen.
„Du hast immer versucht, dass alles im Rahmen bleibt und Geld nicht unnötig ausgegeben wird“, so Lehrieder. Deshalb stehe die Gemeinde finanziell noch immer relativ gut da und sei auch weiterhin handlungsfähig.
Anschließend überreichte er zusammen mit dem Dritten Bürgermeister Bernhard Wolf ein Geschenk an Schmidt. Dieser bedankte sich mit den Worten „Es war mir eine Ehre, das Geschick unserer Heimatgemeinde über 36 Jahre mitgestalten zu dürfen“, und schloss die letzte Sitzung seiner Amtszeit.