Analyse zur Bundestagswahl: So hat der Landkreis Neustadt/Aisch gewählt | FLZ.de

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Veröffentlicht am 23.02.2025 23:12

Analyse zur Bundestagswahl: So hat der Landkreis Neustadt/Aisch gewählt

So wie hier im kleinen Sitzungssaal des Neustädter Rathauses um Punkt 16 Uhr am Sonntag dürfte es in vielen Rathäusern der Republik ausgesehen haben: Es begann die Auszählung der Briefwahlstimmen, die allerdings noch bis 18 Uhr abgegeben werden durften. (Foto: Christa Frühwald)
So wie hier im kleinen Sitzungssaal des Neustädter Rathauses um Punkt 16 Uhr am Sonntag dürfte es in vielen Rathäusern der Republik ausgesehen haben: Es begann die Auszählung der Briefwahlstimmen, die allerdings noch bis 18 Uhr abgegeben werden durften. (Foto: Christa Frühwald)
So wie hier im kleinen Sitzungssaal des Neustädter Rathauses um Punkt 16 Uhr am Sonntag dürfte es in vielen Rathäusern der Republik ausgesehen haben: Es begann die Auszählung der Briefwahlstimmen, die allerdings noch bis 18 Uhr abgegeben werden durften. (Foto: Christa Frühwald)

Die CSU bleibt Landkreis-Dominator. Sowohl bei den Direktkandidaten in den Wahlkreisen 242 (Erststimmen Tobias Winkler: 42,0 Prozent) als auch im „Zipfel“ des Wahlkreises 241 (VG Uehlfeld, Erststimmen Dr. Konrad Körner: 40,5 Prozent), als auch bei den Zweitstimmen lagen die Christsozialen mit 38,5 beziehungsweise 37,1 Prozent der Zweitstimmen klar vorne. Wie auch im bundesweiten Trend folgt die AfD als zweitstärkste Kraft.

Die erste Reaktion auf die Zahlen dieser vorgezogenen Bundestagswahl ist ein gewisses Erstaunen über die Wahlbeteiligung, die landkreisweit bei 85,8 Prozent lag. Ippesheim im äußersten Westen des Landkreises, Oberscheinfeld im Norden, Hagenbüchach und Wilhelmsdorf im Südosten, Baudenbach in der Mitte – in all diesen Kommunen lag die Beteiligung jenseits der 90 Prozent – Werte, wie sie zuletzt in den 1960er-Jahren erreicht wurden.

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Aus der Beteiligung eine klare Tendenz für die Ergebnisse abzuleiten ist allerdings schwierig – die einstige Faustregel, wonach hohe Wahlbeteiligungen bestimmte Parteien bevorzugen und andere benachteiligen, scheint nicht mehr zuzutreffen. Während beispielsweise in Ippesheim (Wahlbeteiligung 90,8 Prozent) die CSU mit 46,7 Prozent stark und die AfD (14,6 Prozent) vergleichsweise schlecht abschnitt, kam die Alternative für Deutschland in Baudenbach (Wahlbeteiligung 90,3 Prozent) auf 23,7 Prozent und übertraf damit ihr Landkreis-Ergebnis deutlich.

Eine andere Tendenz aus den bundesweiten Ergebnissen setzt sich hingegen – wenngleich in abgeschwächter Form – auch im Landkreis überraschend fort: Die politischen Ränder wurden nicht nur auf einer Seite gestärkt. War der Erfolg der Rechtsaußen-AfD durch die aufgeheizte Migrationsdebatte schon seit Jahren absehbar, hätte einen Erfolg der Linken – vor allem, nach dem Absprung der Sahra Wagenknecht-Epigonen – noch vor wenigen Wochen kaum jemand für möglich gehalten.

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Nur knapp blieben die Linken im Landkreis unter der Fünf-Prozent-Marke, die die bei Kommunal- und Landtagswahlen so starken Freien Wähler diesmal gerade noch so schafften. In Dietersheim, Burgbernheim, Burghaslach und Gallmersgarten – allesamt Orte, die einer sozialistischen Gesinnung eigentlich gänzlich unverdächtig sind – knackte die Linke im unerwarteten Schlussspurt jeweils die fünf Prozent – in der Kreisstadt Neustadt sogar sehr klar.

Vergleichsweise deutlich auf dem dritten Platz in der Wählergunst platzierte sich im Landkreis die SPD, was für die Sozialdemokraten allerdings kein Grund zur Freude sein dürfte. Mit 11,4 Prozent liegt die Partei noch knapp unter dem Landesdurchschnitt und dürfte kaum Genugtuung daraus ziehen, dass man die Grünen bei uns noch einmal hinter sich gelassen hatte. Denn diese hatten von ihren 11,7 im Landkreis zwar knapp zwei Prozentpunkte eingebüßt, aber der Absturz der SPD von 19,7 auf jetzt nur noch knapp über elf Prozent war noch weit dramatischer.

In der Weinbergschule in Ansbach werden die Stimmzettel auf den Tischen gesammelt. (Foto: Evi Lemberger)
In der Weinbergschule in Ansbach werden die Stimmzettel auf den Tischen gesammelt. (Foto: Evi Lemberger)

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Für den Landkreis bedeutet dies zusammengefasst: CSU und AfD liegen mit ihren Resultaten etwas über ihrem Landesschnitt, die SPD und die Grünen liegen darunter. Festzuhalten bleibt auch, dass die AfD – analog zu Landes- und Bundestrend – bei Briefwählern im Landkreis überdeutlich schlechter als bei den Urnenwählern abgeschnitten hat, eine Differenz um die zehn Prozent.


Patrick Lauer
Patrick Lauer
Redakteur
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