Die letzten Altkleidercontainer im Ansbacher Stadtgebiet gehören dem Bayerischen Roten Kreuz (BRK). Alle anderen Anbieter haben aufgrund des wirtschaftlichen Drucks auf dem Kleidermarkt ihre Standorte aufgegeben. Doch auch das BRK ist weit davon entfernt, mit der Altkleidersammlung schwarze Zahlen zu schreiben.
Eine kurze Rundfahrt mit Stopps bei vier Altkleidercontainern im Stadtgebiet offenbart spannende Bilder: Neben dem Standort an der Maschinenbauschule steht ein Dutzend blauer Säcke – augenscheinlich Müll. Daneben ein klappriger Kinderwagen. Hinter dem Container gegenüber des Supermarkts in der Louis-Schmetzer-Straße lehnt ein Lattenrost. Der Standort vor der Friedrich-Güll-Schule ist verhältnismäßig aufgeräumt – nur eine volle Plastiktüte liegt davor.
„Da blutet mir fast das Rotkreuz-Herz, wenn jetzt die Müllberge vor unserem Ehrenamt stehen”, sagt Christian Bernhard im Gespräch mit der FLZ. Er ist Kreisgeschäftsführer des BRK in Ansbach. Mit seinen 30 Containern ist das Rote Kreuz als einziger Anbieter in Ansbach übrig geblieben. Alle kommerziellen und wohltätigen Betreiber haben ihre Standorte aus dem Stadtgebiet abgezogen.
Die Gründe sind vielschichtig und haben auch dem BRK zugesetzt: „Anfang 2024 ist der Altkleidermarkt komplett kollabiert“, erinnert sich Bernhard. „Die Preise sind gesunken, keiner wollte mehr die Ware haben.“ Eine weitere Herausforderung sei der Krieg in der Ukraine, da dort enorme Mengen gebrauchter Klamotten sortiert wurden. Gleichzeitig nehme der Anteil von Müll und minderwertiger Kleidung in den Containern zu. „Die Menge erschlägt uns, die Qualität wird immer schlechter“, fasst Bernhard zusammen.
Diese Entwicklungen erwischten auch den Dienstleister Texaid, der unter anderem für das BRK die Leerung der Container und einen Teil der Verwertung übernimmt. Ende 2023 engagierte das Rote Kreuz Texaid als neuen Partner. Kurz darauf brach der Markt ein. Im Juni 2025 leitete das europaweit tätige Unternehmen in Deutschland ein Insolvenzverfahren in Eigenverwaltung ein. Das ist seit März abgeschlossen. Texaid baute nach Auskunft auf FLZ-Anfrage Container und Stellen ab und sammelt aktuell weniger Altkleider im Vergleich zum Vorjahr. Damit wagt die Firma einen Neustart.
Etwa 60 Prozent der gesammelten Textilien werden laut Pressestelle von Texaid als Second-Hand-Ware wiederverwendet. Rund 30 Prozent wandern ins Recycling und werden zu Putzlappen oder Dämmstoffen verarbeitet. Der Rest seien stark verschmutzte oder kaputte Textilien, die nicht mehr verwertbar seien. Auch Texaid verzeichnet immer schlechter verwertbare Kleidung. „In ganz Deutschland hat die Qualität der gesammelten Altkleider seit etwa zwei Jahren stark abgenommen“, schreibt die Pressestelle. Ursache sei unter anderem der „Überkonsum von (Ultra-) Fast Fashion“.
Die Insolvenz seines Dienstleisters hat das Rote Kreuz zusätzlich belastet, berichten Bernhard und sein Stellvertreter Herbert Balbach, der die Altkleidersammlung beim BRK koordiniert. „Klar haben wir Federn gelassen, haben auch Geld dabei verloren“, sagt Bernhard. „Dass der Markt so kollabiert, hat keiner kommen sehen.” Die BRK-Chefs hoffen darauf, dass sie die zuverlässige Zusammenarbeit mit Texaid aufrechterhalten können.
Die schwierige Phase muss sich aber bessern. Wirtschaftlich trägt sich das System kaum noch. Wenn das BRK all seine Personalkosten berücksichtigen würde, „ist das für uns wirtschaftlich nicht abbildbar“, so Bernhard. Dennoch will er an den Containern festhalten. „Das ist auch unsere Philosophie, sich nicht direkt aus dem Staub zu machen, wenn es wirtschaftlich mal schwierig wird“, erklärt der Geschäftsführer.
Für ihn spielen neben der Verwertung der Kleidung auch soziale Angebote eine Rolle, etwa die drei Secondhand-Läden des Kreisverbands. Diese beziehen gut erhaltene Kleidungsstücke aus dem Container-Kreislauf. Und auch der Überschuss der Läden wandert weiter in das System.
Hat dieses System eine Zukunft? „Was uns am Leben hält“, sagt Bernhard, „ist die Hoffnung, dass es besser wird. Und die Verantwortung gegenüber unseren Läden und den Kommunen.“ Die Mehrarbeit durch Abfall, der vor und in den Containern landet, setzt dem System aber zu. Die BRK-Chefs loben hier den Einsatz der Stadt, die oft ausrücke, um den Müll zu entsorgen.
„Das ist einfach vorsätzliche Müllentsorgung“, ärgert sich Balbach über Säcke mit Gegenständen und Abfall, die oft an den Containern lehnen. Befindet sich der Abfall im Container, kommt Texaid für die Entsorgung auf, was auch hier zusätzliche Kosten verursacht, teilt die Pressestelle des Unternehmens mit.
Einen Lichtblick auf der Rundfahrt zu den Containern gibt es immerhin am Standort vor der BRK-Geschäftsstelle in der Henry-Dunant-Straße. Kein Müll, keine Gegenstände liegen herum. Eigentlich eine Selbstverständlichkeit. Und doch muss die Stadt auf ihrer Webseite darum bitten, die Containerstandorte ordentlich zu hinterlassen. Stark zerschlissene oder verschmutzte Textilien sollen über den Restmüll entsorgt werden.