„Alles Egoisten“: Unmut über Ignoranz gegenüber Baustellensperrung in Weinberg | FLZ.de

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Veröffentlicht am 08.04.2026 07:00

„Alles Egoisten“: Unmut über Ignoranz gegenüber Baustellensperrung in Weinberg

Bereits seit einigen Monaten ist die Ortsdurchfahrt in Weinberg und damit die direkte Verbindung zwischen Feuchtwangen und Ansbach dicht. Dennoch wird auf Schleichwegen hier weiter gefahren. (Foto: Florian Pöhlmann)
Bereits seit einigen Monaten ist die Ortsdurchfahrt in Weinberg und damit die direkte Verbindung zwischen Feuchtwangen und Ansbach dicht. Dennoch wird auf Schleichwegen hier weiter gefahren. (Foto: Florian Pöhlmann)
Bereits seit einigen Monaten ist die Ortsdurchfahrt in Weinberg und damit die direkte Verbindung zwischen Feuchtwangen und Ansbach dicht. Dennoch wird auf Schleichwegen hier weiter gefahren. (Foto: Florian Pöhlmann)

Die Sperrung der Ortsdurchfahrt in Weinberg besteht bereits seit einigen Monaten. Die Umleitungen sind ausgeschildert und werden dennoch mitunter ignoriert. Das sorgt für reichlich Unmut, weil Anwohner vor allem Kinder und schwächere Verkehrsteilnehmende in Gefahr sehen.

Bei der Vollsperrung sei alles außer Kontrolle geraten, Verkehrszeichen würden ignoriert und bestehende Absperrungen in Weinberg kurzerhand zur Seite gestellt, damit der Weg wieder frei wäre, monierte Alois Hillermeier in einer E-Mail an die Redaktion. Das sähen viele Menschen in Weinberg so, berichtet er. Zur Verdeutlichung hat er von seinem Wohnzimmerfenster aus einige der Fahrzeuge fotografiert, die sich seit einigen Wochen durch ein Nadelöhr zwängen, das an seinem Haus vorbeiläuft. Selbst Laster sind darunter.

Auswärtige ignorieren Beschilderung

Es sind ganz häufig Menschen, die gemessen an den Nummernschildern ihrer Fahrzeuge nicht direkt aus der Region oder der näheren Umgebung kommen. München, Aalen, Crailsheim, Dinkelsbühl – die Liste ist lang, die Hillermeier ein wenig ärgerlich aufzählt. Dabei sind entlang der Staatsstraße 1066, wie der Bereich der Bundesstraße 14 hier offiziell heißt, in beiden Richtungen zahlreiche Hinweisschilder aufgestellt, die klar und offensichtlich bekunden, dass es in Weinberg derzeit kein Durchkommen gibt. Entsprechend sind auch die Umleitungsstrecken deutlich gekennzeichnet.

„Alles Egoisten“

„Alles Egoisten“, wettert der Mann aus Weinberg über Verkehrsteilnehmende, die sämtliche Hinweise ignorieren und dennoch versuchen würden, die Strecke über Weinberg zu fahren. Wie zur Bestätigung hält gegenüber eine ältere Dame mitten in der Baustelle neben einer Ansammlung von Leerrohren und fragt aus dem Auto heraus, ob es denn hier keinen Schleichweg gäbe, über den man Ansbach auf direktem Wege erreichen könnte. „Den gibt’s, aber wenn sie die Polizei erwischt, kostet das 70 Euro“, hält der Mann entgegen. Das will die Frau mit einer Dinkelsbühler Nummer wohl nicht riskieren und dreht um. „Muss ich halt den ganzen Weg wieder zurückfahren.“

Gespräche und Diskussionen dieser Art haben im Ort wohl nicht nur Alois Hillermeister und seine Frau in den vergangenen Wochen mehrfach geführt. Die Gemeinde Aurach lässt seit September vergangenen Jahres gemeinsam mit dem Staatlichen Bauamt Ansbach die Ortsdurchfahrt ausbauen. Zunächst werden neue Kanalleitungen verlegt, erst im Anschluss und wohl nicht vor dem dritten Quartal dieses Jahres wird die Straße erneuert. Die Situation wird sich also so schnell nicht verbessern, weiß auch Hillermeier. Wobei er Verkehrsteilnehmende aus Weinberg explizit aus seiner Kritik ausnimmt. Die Ortsansässigen müssten ja schließlich ihre Kinder zur Kita bringen oder beim Metzger den Einkauf erledigen.

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Die Weinbergerinnen und Weinberger würden auf dem Schleichweg aber zumindest angemessen langsam und entsprechend vorsichtig fahren, beteuert Hillermeier. Schließlich wisse jeder um die Gefahr in dem schmalen Gässchen, das zur Feuchtwanger Straße führt. „Viele Auswärtige fahren aber dort unverantwortlich schnell“, findet der Anwohner.

Schlecht einsehbare Gasse

Pikant wird diese Einschätzung durch die an der Gasse aufgestellten Schilder. „Anwohner frei“ steht dort geschrieben, neben einem Hinweis, der Fußgänger explizit anweist, den Weg durch die von beiden Richtungen schlecht einsehbare Gasse zu beschreiten. „Da kann man darauf warten, dass etwas passiert“, findet der Mann.

Bürgermeister Simon Göttfert hat er bereits über die aus seiner Sicht untragbare Situation informiert, eine Antwort werde er zeitnah erhalten, heißt es aus dem Rathaus. Hillermeier wartet noch darauf. Um die Fahrzeuge zumindest etwas einzubremsen, habe er anfangs seinen Traktor ein Stück in die Fahrbahn gestellt und daraufhin von der Polizei einen Strafzettel erhalten. Im offiziellen Duktus ein minderschwerer Fall von Selbstjustiz.

Wenn er aber Kinder auf ihren Rollern oder mit dem Fahrrad die Gasse hinabsausen sieht, stiegen in ihm Ängste hoch. Komme just in dem Moment ein Auto ums Eck, sei ein Zusammenstoß unvermeidlich. „Da kann man darauf warten“, glaubt der Anwohner in der momentanen Situation und sagt: „Ich will nicht zusehen müssen, wie da ein Kind zu Schaden kommt.“


Florian Pöhlmann
Florian Pöhlmann
Nach der journalistischen Grundausbildung beim Fernsehen rief 1999 die große weite Welt des Sports, die ich in Nürnberg in nahezu allen Facetten kennenlernen und in verantwortlicher Position gestalten durfte. Erst der verlockende Ruf aus Ansbach und die Aussicht, im fortgeschrittenen Alter Neues zu wagen, sorgten ab 2021 für einen Neustart in der Lokalredaktion.
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