Gibt es genügend Verpflegungsmöglichkeiten am Aischtalradweg? Einige Mitglieder der Lokalen Aktionsgruppe (LAG) Aischgrund sind der Meinung: Nein. In der ersten Vorstandssitzung der Förderperiode 2023 bis 2027 im Neustädter Rathaus kam der bekannteste Radweg durch den Landkreis einmal mehr zur Sprache.
Das Thema kam angesichts der neuen Aischtalradweg-Broschüre auf, welche die LAG-Geschäftsführerin Anne Billenstein in Auszügen vorstellte – voraussichtlich im August wird sie dann auch ausliegen. Die Strecke führt von Rothenburg bis nach Bamberg. „Ein Flyer wird nicht gefördert. Aber wir haben gesagt: Wir machen es trotzdem“, so Billenstein.
Wie sie informierte, schlagen die Broschüren mit insgesamt rund 9100 Euro zu Buche. Die Kosten wird die LAG aber wohl größtenteils selbst schultern müssen. Denn die Landkreise Neustadt/Aisch-Bad Windsheim und Bamberg hätten entschieden, keine Druckversion mehr zu unterstützen. Der Kreis Erlangen-Höchstadt gibt vielleicht etwas; die Stadt Rothenburg habe 250 Euro zugesagt. Der LAG-Vorsitzende, Neustadts Bürgermeister Klaus Meier, regte an, den Aischtalradweg-Flyer mit Werbung zu finanzieren, was aber nicht weiter diskutiert wurde.
Dann brachte Diespecks Bürgermeister Dr. Christian von Dobschütz hierzu einen Aspekt ein, der ihn offenbar schon länger beschäftigte – und den er unter der Überschrift „Genüsse am Aischtalradweg“ zusammenfasste.
Wie ist die Versorgungslage, beispielsweise an einem Wochentag? Wo, wann und was kann ein Radfahrer speisen? Gaststätten hätten nicht immer geöffnet und rund um die Uhr verfügbare Versorgungsstationen fehlten mancherorts. Dass Letztere im neuen Flyer eingezeichnet seien und es in Neustadt bereits einige davon gibt, stellte von Dobschütz indes nicht zufrieden.
Man sollte den Weg „aus Radlersicht“ sehen – ihn vielleicht einmal professionell abfahren lassen, um Mängel festzustellen, so von Dobschütz. Vielleicht komme dann heraus, dass am Ort X ein Automat Sinn ergeben würde, wofür man dann eventuell eine Förderung beantragen könnte. Die Verweildauer und die Essensmöglichkeiten im Landkreis könnten so verbessert und die Attraktivität des Radweges gesteigert werden. Gerade Regiomaten – also Automaten mit regionalen Produkten – seien gefragt.
Eine hundertprozentige Zustimmung erhielt der Diespecker Bürgermeister von Mirjam Prechtel-Knapp aus Uehlfeld. Ihr seien schon viele Klagen von Radfahrern des Aischtalradwegs zugetragen worden. Ihr Fazit: „Nirgendwo ist es so schlimm wie bei uns.“ Radfahrer wollen möglichst auf dem Weg bleiben und keine Umwege für eine Speise in Kauf nehmen. Einkehrmöglichkeiten sollten deshalb gut gekennzeichnet werden – und ein Schild zu einem Gasthaus am Radweg müsse auch die Öffnungstage und Öffnungszeiten enthalten.
Wer die neue LAG-Homepage besucht, wird diese Infos auf jeden Fall erhalten, hieß es. Diese ist für Ausflügler und Bewohner des Aischgrundes gedacht und wurde in der Sitzung auch kurz vorgestellt.
„Nirgendwo ist es so schlimm wie bei uns.”
Eigentlich wollte der Vorstand in besagter Sitzung auch zwei Projekte ins Rennen schicken: den Bau einer Bikepark-Anlage in Wachenroth und die Erstellung eines Betriebs- und Nutzungskonzepts in Mühlhausen. Jedoch sei aufgrund des geänderten Verfahrens noch keine Projektauswahl möglich. Dem müsse ein öffentlicher Aufruf auf der LAG-Homepage vorangehen, erklärte Ekkehard Eisenhut von der Förderstelle am Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten in Uffenheim.
In der Oktober-Sitzung sollen dann aber die anstehenden Projekte beschlossen werden. Sobald die LAG anschließend grünes Licht gegeben hat, kann der Antragsteller sein Vorhaben erstmals auf digitalem Weg für eine Förderung im europäischen Leader-Programm anmelden.