Aiwanger besucht Oechsler in Ansbach - und gesteht Irrtum ein | FLZ.de

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Veröffentlicht am 14.03.2024 14:02

Aiwanger besucht Oechsler in Ansbach - und gesteht Irrtum ein

Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger (von links) zeigte sich angetan von dem, was ihm die Oechsler-Vertreter Felix Hess, Karl Ostler und Wolf Matthias Mang zur Zukunftsstrategie des mittelständischen Kunststoffunternehmens erläuterten. (Foto: Robert Maurer)
Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger (von links) zeigte sich angetan von dem, was ihm die Oechsler-Vertreter Felix Hess, Karl Ostler und Wolf Matthias Mang zur Zukunftsstrategie des mittelständischen Kunststoffunternehmens erläuterten. (Foto: Robert Maurer)
Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger (von links) zeigte sich angetan von dem, was ihm die Oechsler-Vertreter Felix Hess, Karl Ostler und Wolf Matthias Mang zur Zukunftsstrategie des mittelständischen Kunststoffunternehmens erläuterten. (Foto: Robert Maurer)

Auf den Plan gerufen hat Hubert Aiwanger die Ankündigung eines Stellenabbaus bei Oechsler. Deshalb wollte er sich selbst ein Bild machen. Das geschah am Donnerstagvormittag. Nach knapp zwei Stunden war Bayerns Wirtschaftsminister überzeugt, ein starkes Unternehmen gesehen zu haben.

„Ich bin sehr begeistert“, stellte Aiwanger nach dem Rundgang durch die Fertigung von Oechsler fest. „Wenn ich nicht in der Politik wäre, würde ich sofort hier anfangen wollen“, setzte er scherzend hinzu und lobte die Innovationskraft ebenso wie die Atmosphäre.

Aiwanger stellte fest, dass er falsch lag

Anfang Februar hatte das Kunststoffunternehmen angekündigt, 135 Stellen in Deutschland (von insgesamt 1324) und weitere 85 an den übrigen Standorten in aller Welt (von insgesamt 1650) abzubauen. Besonders betroffen sind die Werke in Ansbach und Brodswinden mit 125 Arbeitsplätzen. Aiwanger forderte reflexartig in einer Pressemitteilung „attraktivere Rahmenbedingungen für die Unternehmen“ ein. Er vermutete Energiepreise, Steuern, unflexible Arbeitszeitmodelle sowie Bürokratie als Ursachen. Dass er damit falsch lag, erkannte er vor Ort selbst.

Fast zwei Stunden ließ er sich von den Verantwortlichen bei Oechsler die Strategie erklären. „Die stellen sich hier neu auf für einen Zukunftsmarkt“, zeigte sich der Freie-Wähler-Politiker hinterher überzeugt. So hatte das auch Vorstandsvorsitzender Karl Ostler bei der Vorstellung der Stellenabbaupläne ausgeführt. Es gehe darum, Dinge im Oechsler-Konzern neu zu strukturieren. Das bedeute auch, dass in bestimmten Bereichen wieder neue Stellen entstehen können.

Der Wirtschaftsminister will Anpassungsprozess unterstützen

„Diesen Anpassungsprozess unterstützen wir natürlich“, sagte Aiwanger. Er verwies auf verschiedene Förderprogramme beispielsweise zu Energieprozessen oder zum Technologieaustausch zwischen Wissenschaft und Wirtschaft.

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Das Ansbacher Traditionsunternehmen – die Gründung war 1864 – hat beim Wirtschaftsminister sichtlich Eindruck hinterlassen. Er wollte alles ganz genau wissen, fragte bei selbstfahrenden Gabelstaplern ebenso interessiert nach wie bei den Auszubildenden und zückte immer wieder sein Handy, um Fotos und Filme zu machen. Zum Beispiel von einer ganz speziellen vollautomatischen Spritzgussmaschine, mit der Oechsler Teile für Photovoltaikanlagen herstellt.

„Wir produzieren eine Million Teile pro Tag“, erklärte Aufsichtsratsvorsitzender Wolf Matthias Mang. Die Maschine läuft rund um die Uhr. Schon ein kurzer Stillstand brächte die Produktionszahlen aus dem Takt. „Deshalb kann die Maschine auch nur hier in Deutschland, nur hier in Bayern stehen“, so Mang. Nur hier hat Oechsler Spezialisten greifbar, um bei Bedarf sofort reagieren zu können.

Health soll bei Oechsler immer wichtiger werden

Besonders faszinierend fand Aiwanger die Sparte Health, die im Oechsler-Konstrukt eine immer wichtigere Rolle einnehmen soll. Das Unternehmen baut derzeit die Reinraumkapazitäten massiv aus. Im Jahr 2025 sollen in Ansbach 1800 Quadratmeter Produktionsfläche unter höchsten Reinhaltebedingungen vorhanden sein, führte Felix Hess aus, der den Geschäftsbereich Gesundheit verantwortet.

Statt derzeit 30 werden dann dort mindestens 60 Menschen beschäftigt sein. „Das ist ein langläufiges Geschäft“, verdeutlichte Hess und zeigte dem Minister verschiedene Inhalatoren aus der Oechsler-Produktion: einen, den es bereits seit 15 Jahren gibt, ebenso wie einen, der erst im nächsten Jahr auf den Markt kommen wird. Im Bereich Gesundheit sei die Zuverlässigkeit ein extrem hohes Gut, gab Aufsichtsratsvorsitzender Mang zu bedenken. Deshalb dauert die Entwicklung mitunter etwas länger und es werden mit Vorlauf Produktionskapazitäten aufgebaut, die erst viel später gebraucht werden. „Solche Leerstände muss man auch aushalten können“, meinte Aiwanger anerkennend.

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