„Einmal hat er sogar einen Küchentisch auf dem Rad transportiert.“ Es war Zeit, Anekdoten zu erzählen – aus gut neun Jahren gemeinsamer Geschichte. Die Kirchengemeinden von Baudenbach, Hambühl und Stübach verabschiedeten am Sonntag ihren Pfarrer Marcel Weber. Sie hatten ihn offenkundig liebgewonnen in all den Jahren.
Viele Umarmungen, viele Blumen und Geschenke und so manche mit einem Lächeln zur Seite gewischte Träne verbanden sich mit den besten Glückwünschen fürs neue Leben in der Landeshauptstadt München. Dort habe seine Frau eine neue berufliche Herausforderung gefunden und somit stellen sich Pfarrer Weber und die beiden Söhne (einer davon in der Baudenbacher Zeit geboren) jetzt auf ein Großstadtleben ein, erzählte Weber.
Der junge Pfarrer blickt nicht nur auf Anekdoten und viele geradelte Kilometer zwischen Baudenbach, Hambühl und Stübach zurück. Diese erste Pfarrstelle habe ihn gleich mit mächtig vielen Aufgaben konfrontiert. Weber erzählt in seiner Abschiedsrede in der Hambühler Kirche von 16 Baustellen, die zeitweise parallel auf seinem Schreibtisch lagen.
Zuletzt gelang die Gestaltung des Kirchgartens rings um das Baudenbacher Gotteshaus. Dieser entwickelte sich zum gemeinschaftlichen Ortszentrum und wurde über viele Fördertöpfe finanziert. Vorgelagert waren hier komplizierte Grundstücksfragen. Zur Abschiedspredigt gehörten vielfache Dankeschöns an ganz viele Menschen, die ehrenamtlich beim Scheunenabriss, bei Pflanzarbeiten und der Gartenpflege oder bei den zahlreichen Festen mit anpackten.
In den Corona-Jahren „haben wir unkompliziert zusammengearbeitet“, erinnerte sich Anne Schmidt vom Kirchenvorstand. Der Heiligabend-Gottesdienst am Dorfplatz „war etwas ganz Besonderes“, sagte Schmidt. Und als die ersten Flüchtlinge aus der Ukraine kamen, haben die Webers in ihren Privaträumen Platz geschaffen für in Not geratene Menschen. Trotz aller Krisenzeiten wurde die Orgel in Hambühl restauriert, genauso wie der Kirchturm in Baudenbach, und die eine oder andere Mauer wurde abgerissen und wieder aufgebaut.
Auch in der Kinderbetreuung ging man neue Wege. Hier bedankte sich Weber besonders bei der politischen Gemeinde, die für Vorschläge stets offen war. Der Landkindergarten in Baudenbach bekam eine Lärmschutzdecke, ein Grundstück für die Waldgruppe wurde zur Verfügung gestellt, ein Neubau für Krippenkinder entstand und anstelle eines Bolzplatzes steht dem Baudenbacher Nachwuchs jetzt eine Spielfläche mit selbst gezimmertem Garagenhäuschen zur Verfügung.
Neben der Unterstützung durch die weltliche Gemeinde hob Weber die Gemeinschaft unter den Kollegen hervor. Das ganze Pfarrkapitel im nördlichen Landkreis bilde ein wunderbares Team. Umgekehrt sprachen die ehemaligen Kollegen von einem prima Teamplayer, auf den man sich immer habe verlassen können. Bei allen Anfragen sei nie ein „Nein“ gekommen, sondern immer ein „mal schauen, wie es gehen könnte“.
Nichts als Lob gab es zudem von Seiten der katholischen Kirche. Stellvertretend für Pfarrer Joseph Michael überreichte Elisabeth Baumer aus Ullstadt das neue „Gotteslob“, eine Liedersammlung der katholischen Kirche. „Das habe ich noch nicht“, freute sich der evangelische Kollege. Nach dem Gottesdienst überraschte die Pfadfindergruppe ihren Leiter mit Blumen und Pfadfindertuch im Kirchgarten in Hambühl. Auch die Jugend wird Weber vermissen.