Das jahrelange Tauziehen zwischen der Stadt Ansbach und dem Bezirk um Flächen auf dem ehemaligen Messegelände ist beendet. Allerdings nicht mit einem Happy End – die geplante Wohnbebauung ist nach offizieller Lesart zumindest bis auf Weiteres zurückgestellt. Als Grund dafür gibt die städtische Verwaltung wirtschaftliche Gründe an.
Zwischen Schalkhäuser Straße, Am Onolzbach und Hohenzollernring sollten etwa 100 Wohneinheiten entstehen. Sechs dezentrale Tiefgaragen und ein Parkdeck waren in der Planung vorgesehen, zwei Ringstraßen sollten gebaut werden, ebenso eine Kindertagesstätte. Das sollte das Herzstück eines neuen, kleinen Viertels werden, das den Onolzbach integrieren und so für naturnahes Wohnen mitten in der Stadt stehen sollte.
Fraglos eine nette Idee, die auch schon weit gediehen war: Rund 700 000 Euro und sicher nicht wenige Arbeitsstunden hat die Stadt seitdem in das Projekt fließen lassen, für das 2019 eigens ein Architekten-Wettbewerb ausgerufen worden war. Doch der Siegerentwurf kam nie über den Status eines vielbeachteten Modells hinaus.
Zwar waren die einstigen im Besitz der Stadt befindlichen Tennishallen abgerissen und der Untergrund für die Bebauung vorbereitet worden. Doch mehr sollte nicht geschehen, weil die Mühlen der Behörden langsam mahlten und sich derweil die Welt weiterdrehte. Über den Kaufpreis für den Rest des Areals, der sich im Besitz des Bezirks befindet, wurde man sich jedenfalls nie einig.
Dabei schien grundsätzlich bereits alles geklärt: Stadt und Bezirk hatten im beiderseitigen Einvernehmen und nach einem vorliegenden Gutachten den finanziellen Ausgleich für den Verkauf des restlichen Areals geregelt. Doch an den über ein Gutachten bestimmten Wert sah sich der Bezirk im Laufe der Jahre nicht mehr gebunden. Demgegenüber wollte die Stadt auch nicht mehr zahlen, als ursprünglich fixiert worden war.
Nun also hat die städtische Verwaltung von dem Projekt Abstand genommen, wie sie am Montag Nachmittag in einer Mitteilung verlautbaren ließ. „Stadt und Bezirk sind daher übereingekommen, die Verhandlungen zur Entwicklung des Geländes bis auf Weiteres aktuell zurückzustellen.“
Den Ausschlag dafür gab ein von der Stadt erarbeitetes Hochwasserschutzkonzept. Das ist zwar noch nicht final mit den Fachbehörden abgestimmt – das Papier lässt aber bereits jetzt die Notwendigkeit weitreichender und damit teurer Maßnahmen am ehemaligen Messegelände erkennen.
Derartige Vorarbeiten wären freilich aus zweierlei Gründen unbedingt notwendig, wie die Stadt anführt. Es gelte, den Schutz einer möglichen Bebauung vor einem hundertjährlichen Hochwasserereignis zu gewährleisten. Daneben ist eine staatliche Förderung der Maßnahmen nur dann zu erwarten, wenn in der Folge der Schutz vor so einem Jahrhundertereignis garantiert ist.
„Da weite Teile des Messegeländes bislang als Überschwemmungsgebiet festgesetzt sind, lässt sich die Erschließung der Flächen für eine Wohnbebauung nach derzeitigen Erkenntnissen nicht wirtschaftlich darstellen“, so die Stadt – das unrühmliche Ende behördlichen Hickhacks.