Als Neunzehnjähriger schnupperte Werner Schmidt zum ersten Mal Theaterluft. In diesem Jahr feiert der mittlerweile 63-jährige Bankberater seinen 400sten Auftritt beim Theater der VR-Teilhaberbank. Es ist sein letztes Jahr.
Von einem der Aufsichtsratsvorsitzenden wird er bei Begegnungen immer noch mit „Wie geht es, Herr Dinkelkorn?” begrüßt, berichtet Werner Schmidt und lacht. Den Bäckermeister Dinkelkorn hatte er vor vor 14 Jahren im Stück „Onkel Hubbi wird es schon richten” gespielt. „Die Rolle hat mir total gefallen”, sagt er. Nicht nur ihm. Einen ganzen Ordner mit Zeitungsartikeln hat er gesammelt. Die FLZ titelte damals „Lachsalven und Szenenapplaus”.
„Mir liegen die aufbrausenden Rollen”, sagt Schmidt über sich selbst. Vor rund 45 Jahren, im Oktober 1981, probte er zum ersten Mal mit dem VR-Theaterensemble. Insgesamt stand er 37 Jahre auf der Bühne. Corona brachte eine Zwangspause. Die Jahre ohne Theater „waren eine harte Zeit”.
Seit 2011 führt er auch Regie und sucht die Stücke aus. Und was war das erfolgreichste Stück in all der Zeit? „Heribert der Klosterfraunarzissengeist”, kommt von ihm wie aus der Pistole geschossen. Die Komödie in drei Akten von Beate Irmisch wollte er schon immer auf die Bühne bringen, aber er hatte lange Zeit nicht genügend Mitspieler.
Gute zehn Jahre später sollte es dann soweit sein. 2024 – im Jubiläumsjahr zum 75-jährigen Bestehen des VR-Bank Theaters – konnte Schmidt die nötigen Akteure zusammentrommeln. „Das Stück war der absolute Wahnsinn”, erinnert er sich. Die schnapsbrennenden Nonnen brachten dem Laienensemble stehende Ovationen ein. Er selbst spielte den Domkapitular. „Meine größte Herausforderung”, sagt der Baufinanzierungsspezialist, der in der Komödie Hochdeutsch statt sonst Fränkisch sprechen musste. „Vermutlich habe ich ein bisschen wie Lothar Matthäus geklungen”.
Der ehrenamtliche Einsatz der Bankmitarbeiterinnen und -mitarbeiter, die schon ab Oktober mit den ersten Proben starten und dann nach Weihnachten täglich zusammenkommen, lohnt sich in vielfacher Weise, findet Schmidt, der in dieser Saison zum 400sten Mal auf der Bühne stehen wird. Der Zusammenhalt unten den Theaterakteuren sei toll. „Wir sind Freunde, statt nur Kollegen”.
Seit 2004 stehen Spendenboxen an den Theaterausgängen. Rund 280.000 Euro seien seither gesammelt worden, schätzt er. An eine Spende an den Wünschewagen für kranke Kinder erinnert sich der zweifache Familienvater besonders.
Neben Freundschaften und dem karikativen Gedanken hat das Theaterspielen Schmidts Leben auf ganz besondere Weise beeinflusst. Auf der Bühne hat er vor rund 20 Jahren nämlich seine heutige Frau Annemarie kennenlernt, die damals noch in der Ausbildung war. „Die Affaire mit der rosaroten Jacke” hieß das Stück, das damals das Paar zusammenbrachte. Die mittlerweile neun- und elfjährigen Töchter sind große Fans ihrer Eltern „Sie waren heuer schon vier oder fünfmal bei den Aufführungen dabei und spielen daheim das Theater nach”, sagt der stolze Vater.
Hat man nach so langer Bühnenerfahrung noch Lampenfieber. „Ja”, so Schmidt, vor allem bei den Aufführungen in seiner Heimatstadt Neustadt. Dass es den echten Profis auch nicht besser geht, konnte er beim 50-Jubiläum des VR-Bank Theaters erleben. Damals sei der Kabarettist Gerd Fischer im Publikum gewesen, den das Ensemble für einen kurzen Gastauftritt auf die Bühne bat. Der ehemalige „Bruder Barnabas“ vom Nockherberg war hinter den Kulissen unglaublich aufgeregt und wollte genaueste Regieanweisungen, erinnt er sich.
Mit der Komödie „Auch Saubermänner haben ein Verfallsdatum” ist Werner Schmidt mit seinem Ensemble heuer ein letztes Mal auf den Bühnen in der Region zu erleben. Am 1. Dezember 2026 wird er sich als Bankberater, aber auch als Regisseur und Darsteller, in den Ruhestand verabschieden. Danach wartet eine neue Rolle auf ihn, denn dann übernimmt er nur noch die die Regie in seiner eigenen Familie.
Aufführungstermine für „Auch Saubermänner haben ein Verfallsdatum”:
Eintritt frei, Platzreservierung unter www.vr-teilhaberbank.de/theater