Abriss verhindert: Wird das ehemalige Schächthaus in Ermetzhofen zum Denkmal? | FLZ.de

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Veröffentlicht am 28.02.2026 13:10

Abriss verhindert: Wird das ehemalige Schächthaus in Ermetzhofen zum Denkmal?

Das Schächthaus in Ermetzhofen 61 ist von drei Straßen umgeben. (Foto: Nina Daebel)
Das Schächthaus in Ermetzhofen 61 ist von drei Straßen umgeben. (Foto: Nina Daebel)
Das Schächthaus in Ermetzhofen 61 ist von drei Straßen umgeben. (Foto: Nina Daebel)

Abreißen oder bewahren? Diese Frage stellt sich aktuell im Falle eines Gebäudes in Ermetzhofen, Hausnummer 61. Denn es ist nicht irgendein Objekt, sondern das ehemalige Schächthaus der einst im Ort lebenden Juden. Das Bayerische Landesamt für Denkmalpflege (BLfD) schaut nun genauer hin.

Das Haus liegt mitten im Ort, an prominenter Stelle, umgeben von drei Straßen. Maximal rund 200 Quadratmeter umfasst das Areal, auf dem es einst errichtet worden war. Außer dem Haus hat dort nichts weiter Platz. Es gibt keine Garage, keinen Garten. Einige Fensterscheiben sind zerbrochen, die Fassade schwärzt sich zusehends. Ein Blick ins Innere zeigt herausgerissene Böden, herausgebrochene Türstöcke. Das Dach ist in einem desolaten Zustand. Ein Nachbar hatte schon erwartet, dass der Dachstuhl durch die Ende Januar gefallenen Schneemassen einbrechen würde. Doch er hielt Stand.

Gemeinde erwarb die Immobilie vor zwei Jahren

Die Gemeinde Ergersheim hatte das Haus im Ortsteil Ermetzhofen vor nunmehr zwei Jahren aus Privatbesitz erworben. Es stehe nicht unter Denkmalschutz, habe keinen historischen Wert und sei baufällig, erklärt Bürgermeister Dieter Springmann auf Nachfrage unserer Redaktion. „Es ist ein Schandfleck”, beschreibt er den baulichen Zustand des Hauses. Der Zuschnitt des Grundstücks sei zudem so ungünstig, dass man damit nichts anfangen könne. Deswegen soll es abgerissen werden.

Einen festen Termin dafür gebe es zwar noch nicht, aber das Einholen von Angeboten laufe, so Bürgermeister Springmann. „Bis zum Mai soll es abgerissen werden.” Und weil das Grundstück wegen des ungünstigen Zuschnitts anschließend nicht neu bebaut werden soll, will man dort einen Erinnerungsort schaffen. Erste Überlegungen zur Gestaltung gibt es bereits. Springmann spricht von einer Gedenk-Stele, die denkbar wäre. Möglich wäre es Springmann zufolge, dass dafür ein Teil des Eingangsportals verwendet und es in etwas neu zu Schaffendes integriert werde. Auf diese Weise könnte daran erinnert werden, dass dort mal das Schächthaus der jüdischen Gemeinde gestanden habe. Schließlich solle die Geschichte nicht vergessen werden.

Ein Bürger informierte die Denkmalpflege-Behörde

Doch aus dem Abriss des Gebäudes wird erst mal nichts. Denn ein Bürger, der nicht aus Ermetzhofen stammt, hat unter anderem das Bayerische Landesamt für Denkmalpflege (BLfD) eingeschaltet. Und das ist tätig geworden.

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Das Denkmalamt bestätigt auf Nachfrage unserer Redaktion, dass man auf das Objekt in Ermetzhofen 61 aufmerksam gemacht worden sei. „Aufgrund der besonderen historischen Nutzung als ehemaliges jüdisches Wohnhaus, nach derzeitigem Kenntnisstand mit zugehöriger Metzgerei, der Errichtung nach 1828 sowie des äußerlich weitgehend unveränderten Erhaltungszustands, prüft das BLfD derzeit die Denkmaleigenschaft des Gebäudes”, erklärt ein Sprecher der Behörde. Ob die gesetzlichen Voraussetzungen der Denkmaleigenschaft im konkreten Fall vorliegen, könne aber erst nach Abschluss der fachlichen Prüfung beurteilt werden, heißt es weiter.

Die Prüfung indes sei „mit der Gemeinde Ergersheim als Eigentümerin des Gebäudes sowie mit dem Landratsamt Neustadt Aisch-Bad Windsheim als Unterer Denkmalschutzbehörde abgestimmt”. Bis zur Klärung der Denkmaleigenschaft dürfe das Gebäude nicht abgerissen werden, betont der Sprecher des Bayerischen Landesamts für Denkmalpflege. „Damit keine vollendeten Tatsachen geschaffen werden.” Das werde „in Anbetracht des hohen Gutes Denkmalerhalt für die Eigentümer als zumutbar angesehen”.

Um rasche Klärung bemüht

Wie lange die denkmalfachliche Prüfung im Fall des Gebäudes Ermetzhofen 61 dauern werde, lasse sich dem BLfD-Sprecher zufolge „nicht verlässlich vorhersagen”. Denn der Aufwand unterscheide sich von Denkmal zu Denkmal. So sei die Dauer mitunter abhängig von den zur Verfügung stehenden Unterlagen, von einer Ortsbesichtigung, ergänzenden Recherchen sowie „einem bayernweiten Vergleich”. Das BLfD sei aber „gerade in derartigen Konstellationen um einen möglichst zeitnahen Abschluss des Vorgangs bemüht”.

Auch an den Antisemitismusbeauftragten der bayerischen Staatsregierung, Dr. Ludwig Spaenle, war der drohende Abriss des Schächthauses in Ermetzhofen herangetragen worden. Auf Nachfrage unserer Redaktion verweist sein Sprecher auf die Prüfung des Falls durch das Landesamt für Denkmalpflege. „Von dieser darf man Aufschlüsse hinsichtlich der Bedeutung des Gebäudes erwarten. Diese gilt es zunächst abzuwarten”, heißt es weiter.

Einst eine lebendige jüdische Gemeinde

Von der Bedeutung des Hauses ist der Bürger, der die Behörden eingeschaltet hat und namentlich öffentlich nicht genannt werden möchte, bereits jetzt überzeugt. Deswegen würde er das Haus gerne retten, sagt er im Gespräch mit unserer Redaktion und verweist auf die jüdische Gemeinde, die einst in Ermetzhofen gelebt habe. Der jüdische Friedhof, gegründet 1654 und mit einer Fläche von mittlerweile 4412 Quadratmetern, wurde auch von Burgbernheim, Gnodstadt, Uffenheim und Welbhausen benutzt. Und die Synagoge in Ermetzhofen wurde wohl um das Jahr 1770 gebaut. Nach dem Novemberpogrom gab es dort keine Juden mehr. Sie waren geflohen, verhaftet oder deportiert worden.

Angesichts der „vertieften Vergangenheit” der Juden in Ermetzhofen, ist es aus Sicht des Bürgers wichtig, das Schächthaus zu erhalten. Man dürfe nicht nach dem Motto „aus den Augen, aus dem Sinn” agieren. Zumal bereits vieles an und aus dem Haus demontiert und verschwunden sei. Unter anderem die Mesusa, eine Schriftkapsel, die am Türpfosten angebracht wurde. Am Eingang des Hauses sind noch die beiden Löcher zu sehen, in denen die Mesusa einst befestigt war. Und auch architektonisch sei Ermetzhofen 61 besonders.

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