Unter den Kassenpatienten hat die Ankündigung für einen Aufschrei gesorgt. Ab 1. April öffnet der Sachsener Allgemeinarzt Dr. Thomas Hrach seine Sprechstunde nur noch für privat Versicherte und Selbstzahler. Im Gespräch mit der FLZ spricht der 43-Jährige über die Gründe.
„Ich bin Arzt mit Leib und Seele, aber die Rahmenbedingungen sind zu schwierig geworden“, klagt Dr. Hrach. Seit 1. Januar 2014 führt der Facharzt für Allgemeinmedizin seine Praxis in Sachsen bei Ansbach. Daneben bietet er in den Justizvollzugsanstalten Ansbach und Lichtenau einmal wöchentlich eine Sprechstunde an.
Seine Entscheidung sei ihm sehr schwer gefallen, aber er ringe schon länger mit sich. „Corona hat gezeigt, dass es so nicht mehr funktioniert. Das war sehr viel Arbeit für immer weniger Ärzte.“ Die Rahmenbedingungen haben sich in seinen Augen seit der Pandemie nicht verbessert – im Gegenteil.
Man muss die Zeit immer mehr im Blick haben.
Als Arzt habe man das Gefühl, alleingelassen zu werden. Ihn stört, „dass man Patienten nicht mehr so behandeln kann, wie es dem ärztlichen Ethos entspricht. Man muss die Zeit immer mehr im Blick haben“. Sehr schwierig findet er auch, „dass man immer weiter beschränkt wird in der ärztlichen Tätigkeit“.
Es mache ihm zu schaffen, dass er seine Patienten oft nicht so behandeln könne, wie es seiner Meinung nach am sinnvollsten wäre. Beispielsweise dürfe er den kassenärztlichen Patienten nur bestimmte Medikamente verordnen. „Es ist kein freier Beruf mehr – zumindest nicht im Kassensystem.“ Ein weiterer Grund für seine Entscheidung seien private Verpflichtungen. „Ich muss auch meiner Familie gerecht werden.“ Die Aufgaben seien immer mehr geworden, die langen Arbeitszeiten gingen an die Substanz. „Wenn Sie jeden Tag von acht bis 18 Uhr in der Praxis sind – das geht nicht spurlos an Ihnen vorbei.“
Hrach versuchte, etwas an der Situation zu ändern, unter anderem mit einem Positionspapier an politische Entscheidungsträger – mit wenig Erfolg (siehe Kasten).
Corona hat gezeigt, dass es so nicht mehr funktioniert.
Für seine bisherigen Kassenpatienten stehen nun einschneidende Veränderungen an. Sie müssen sich – sollten sie nicht zu einer privaten Krankenversicherung wechseln können oder wollen – einen neuen Hausarzt suchen oder selbst für ihre Behandlung aufkommen. Betroffen sind nach Einschätzung des Mediziners 800 bis 1000 Patienten.
Die Reaktionen seien „schwierig“ gewesen, stellt er fest. Auch schlechte Rezensionen im Internet habe er erhalten, „was ich nicht so einfach finde, wenn man elf Jahre immer da war. Aber die meisten Patienten sind einfach enttäuscht, was ich auch verstehen kann“.
Ein schlechtes Gewissen habe er dennoch nicht. „Ich habe mich im Hintergrund viel gekümmert, damit die Patienten versorgt sind, weil mir das immer wichtig war.“ Es gebe im Umkreis das Gesundheitszentrum in Weihenzell mit einer Kinderärztin und einem Allgemeinmediziner, das im Januar eröffnet hat, sowie ein Gesundheitszentrum mit zwei Allgemeinärzten in Neuendettelsau. Dieses wurde erst im Februar eingeweiht. „Ich habe mit dem ärztlichen Leiter gesprochen. Die würden alle Patienten, die es wünschen, aufnehmen“, informiert er. Auch seine Kollegin in Sachsen, Dr. Gül Pelin von Schweinichen, sei bereit, einige der älteren Patienten zu übernehmen, die Hausbesuche benötigen.
Wenn sich an den von ihm kritisierten Rahmenbedingungen etwas ändern sollte, wäre er bereit, erneut eine kassenärztliche Zulassung zu beantragen, sagt Dr. Hrach. „Mal schauen, was die nächste Bundesregierung macht.“
Schon im Februar 2023 hat Dr. Thomas Hrach in einem Schreiben an Dr. Rainer Fugmann vom Regionalen Planungsverband Westmittelfranken die Situation der Hausarztpraxen im ländlichen Westmittelfranken beklagt.