Schwarz-weiße Streifen auf der Straße kennt jeder. Doch wann und wo gab es den ersten Zebrastreifen? Die Geschichte führt 75 Jahre zurück nach Großbritannien - und von dort nach Deutschland bis in die Popkultur.
Das westlich von London gelegene Slough gilt nach Angaben des dortigen Museums als Geburtsort des Zebrastreifens. Laut Guinness-Buch der Rekorde wurde dort 1951 der erste dauerhaft markierte Übergang eingerichtet. Er lag auf der High Street, wo heute eine Fußgängerzone ist.
Am 31. Oktober 1951 traten in Großbritannien die Regeln für solche Übergänge in Kraft. Dem Fußgänger müsse Vorrang gewährt werden, wenn er sich „innerhalb dieser Begrenzungslinien auf der Fahrbahn befindet“, hieß es in der Regelung.
Zuvor waren bereits verschiedene Markierungen getestet worden. Ende der 1940er Jahre gab es in London erste Versuche an Kreuzungen. Diese Übergänge waren aber nicht gut genug zu erkennen. Neu dazu kamen daher breite weiße Streifen für eine deutlich bessere Sichtbarkeit. Zusammen mit dem dunklen Straßenbelag entstand so das markante Muster.
In der Bundesrepublik ging es acht Monate später los: In München wurde am 8. Juli 1952 der erste Zebrastreifen auf der Straße markiert. Vorreiter war aber die DDR: Dort gab es schon im März 1952 einen entsprechenden Übergang in Ost-Berlin am S-Bahnhof Schöneweide. Als der Gesetzgeber im Westen 1953 den Fußgängerüberweg in die Straßenverkehrsordnung aufnahm, hieß die Markierung im Amtsdeutsch „Dickstrichkette“.
Warum der Straßenübergang heute „Zebrastreifen“ heißt, liegt auf der Hand: Die Streifen erinnern an das Fell eines Zebras. In Deutschland gibt es aber noch eine zweite Erklärung. Das „Hamburger Abendblatt“ startete am 24. April 1954 die „Aktion Zebra“. Polizisten beobachteten Autofahrer an den Übergängen und zeichneten besonders rücksichtsvolle Fahrer mit einer Zebra-Plakette aus. „Zebra“ stand dabei für „Zeichen eines besonders rücksichtsvollen Autofahrers“. Der Begriff blieb jedenfalls hängen.
Heute scheint die Sache klar: Wer am Zebrastreifen gehend über die Straße will, hat Vorrecht. In der Bundesrepublik galt das im Gegensatz zu Großbritannien aber nicht von Anfang an. Erst 1964 erhielten Fußgänger ausdrücklich Vorrang. Heute müssen Autofahrer Menschen, die den Überweg erkennbar benutzen wollen, das Überqueren ermöglichen. Das gilt auch für Rollstuhlfahrer und Fahrer von Krankenfahrstühlen. Straßenbahnen sind von dieser Wartepflicht ausgenommen.
Trotz der Regelung passieren dort mitunter schwere Unfälle. Den Unfallzahlen des Statistischen Bundesamtes zufolge kam es 2025 zu insgesamt 1.502 Unfällen mit Personenschaden, bei denen falsches Verhalten gegenüber Fußgängern an Fußgängerüberwegen als Ursache erfasst wurde. 15 Menschen kamen dabei ums Leben. Im Vorjahr waren es 1.487 solcher Unfälle mit 9 Todesopfern.
Einer der bekanntesten Übergänge der Welt liegt in London. Am 8. August 1969 spazierten John Lennon, Paul McCartney, George Harrison und Ringo Starr für das Cover ihres Albums „Abbey Road“ über den Zebrastreifen vor den damaligen EMI-Studios. Seitdem kommen Beatles-Fans aus aller Welt genau hierhin, um die Szene nachzustellen. Der Übergang wurde 2010 sogar in die britische Denkmalliste aufgenommen.
Und dann gibt es noch den „Silly Walk“: Im niederländischen Spijkenisse erinnert ein Verkehrsschild an Monty Pythons berühmten Sketch von 1970 „Ministry of Silly Walks“. Darauf ist ein Mann mit Melone und Aktentasche zu sehen, der ein Bein hoch in die Luft schleudert. Die Idee stammt von einem Fan. Die Verkehrsregeln gelten auch in diesem Fall: Autos müssen anhalten.
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