Der Reit- und Fahrverein Bad Windsheim wird dieses Jahr 75 Jahre alt. Zum zehnten Mal findet zudem das Turnier auf dem Areal im großen Boden statt. Allein im vergangenen Jahr hat der Verein zahlreiche Projekte voran gebracht.
Gegründet wurde der Verein im Jahr 1950. Zunächst war er auf einem Anwesen nahe des Fränkischen Freilandmuseums zu finden. Ende 2004 zog man auf die neu errichtete Anlage im großen Boden, erzählt Jennifer Schorr, die seit 2021 Mitglied ist, seit Mai 2024 das Amt der Vorsitzenden bekleidet und selbst zwei Pferde hat. Viele Mitglieder halfen mit, um damals das neue Domizil zu bauen. Unternehmer Alois Zimmermann unterstützte das Vorhaben finanziell.
Aus früheren Zeiten liegen, wie Schorr erzählt, kaum Aufzeichnungen vor. Doch allein in jüngster Vergangenheit wurde viel geleistet, um die Anlage zu erhalten. Für Externe könnten die Projekte nach Kleinigkeiten klingen, „aber für uns und unsere Pferde sind sie etwas Großes“, sagt Jugendwartin Chiara Thürauf, die seit 2005 im Verein aktiv ist und mit ihrer Mutter Barbara Lunz, die auch stellvertretende Vorsitzende, ist zwei Pferde hat.
Sandpaddocks wurden errichtet, damit die Pferde auch im Winter Auslauf haben. Ein absolutes Mammutprojekt war die „Sanierung des in die Jahre gekommenen Herzstücks“: der Außen-Reitplatz. Inklusive Planung war man dort ein halbes Jahr beschäftigt. Eine Firma war mit der Instandsetzung beauftragt, doch wo es ging, brachten sich die Mitglieder auch selbst ein. Über 500 Helferstunden wurden investiert. Über 200.000 Euro hat das Projekt gekostet. Gefördert wurde es durch den Bayerischen Landes-Sportverband.
Hatte der Verein schon früher Schulpferde wurden mittlerweile wieder welche gekauft: Alfi und Frieda. Die Suche gestaltete sich teils schwierig, müssen die Tiere doch für den Schulbetrieb geeignet sein. Nach und während der Corona-Pandemie musste dieser massiv reduziert werden. Auch Privatpferde stehen für Reitstunden zur Verfügung. Die Warteliste für Reitschüler ist derzeit lang. Fünf Mal pro Woche werden Vereinsreitstunden angeboten, drei Lehrer gestalten sie.
Auch das Lehrgangs-Angebot ist über die Zeit vielfältiger geworden. Klassische Dressur- und Springkurse gehören ebenso dazu wie Extrem Trail, bei der die Pferde verschiedene Hindernisse überwinden müssen.
Die Übernahme des Vorstandsposten kam für Schorr zwar überraschend, doch ihre Familie und ihre Tiere haben im Bad Windsheimer Stall „ihr zweites Zuhause“. Deshalb war Schorrs Antrieb groß, den Verein in die Zukunft zu führen. Die Vorsitzende setzt nun viel daran, ihre Ideen mit ihrem Team voran zu bringen. Denn auch nahezu alle anderen Posten wurden 2024 neu besetzt und der Vorstand damit neu formiert.
„Wir sind ein starkes Team“, sagt Schorr. „Ohne das könnten wir diese ganzen Projekte auch nicht umsetzen.“ Die Anlage sei groß und schön, müsse aber gepflegt werden. Ganz klar kommuniziert wird deshalb, dass Personen, die ein Pferd eingestellt haben, aber auch Pfleger gewisse Arbeitsstunden pro Jahr verpflichtend leisten müssen.
30 Boxen stehen auf der Anlage zur Verfügung, in denen derzeit 31 Vierbeiner untergebracht sind. „In einer Box stehen nämlich zwei kleine Ponys“, so Schorr. Gut 170 Mitglieder zählt der Verein, allein im vergangenen Jahr habe man einen Zuwachs von rund 20 Prozent erreicht. Verantwortlich dafür sei vor allem das erneute Anlaufen des Unterrichts, aber auch der im Juni 2023 ins Leben gerufene „Pferdequatsch“. Kinder ab vier Jahren sollen durch ihn behutsam an die Tiere herangeführt werden. „Das läuft wirklich gut“, sagt Chiara Thürauf, die das Angebot hauptverantwortlich organisiert.
Der Reit- und Fahrverein blickt heuer nicht nur auf 75 Jahre zurück. Zum zehnten Mal finden auch die Bad Windsheimer Reitertage auf dem Areal im großen Boden statt – und zwar von Freitag bis Sonntag, 13. bis 15. Juni. Alle Prüfungen gehen erstmals auf dem neuen Außenplatz über die Bühne, erzählt Thürauf, die gemeinsam mit Lisa Schwarz und Miriam Benett die Turnierleitung stemmt.
Neben der Ponyführzügelklasse finden Prüfungen bis zur M-Dressur und M-Springen statt. 436 Meldungen verzeichnet man im Springen, 136 sind es in der Dressur. Auch rund 20 Reiterinnen und Reiter aus den eigenen Reihen haben sich angemeldet. Neu ist das Mannschaftsspringen, das am Sonntagnachmittag stattfindet und ein „echtes Highlight“ darstellt, so Thürauf.
Die Öffentlichkeit ist beim Turnier zum Zuschauen eingeladen. Für Gäste steht ein eigenes Zelt zur Verfügung. Auch Verkaufsstände mit Kulinarischem wird es geben. Nicht stemmbar wäre das Turnier ohne zahlreiche Sponsoren, so Schorr. Durch sie konnten auch acht neue Hindernisse angeschafft werden.
Für die Zukunft haben die Verantwortlichen viele Träume, sagt die Vorsitzende. „Der Stall soll ein Facelift bekommen.“ Gerade außen soll er instandgesetzt werden. Wünschen würde man sich eine neue Führanlage, zudem würde man den Rasenplatz gerne mit Natur- und Trailhindernissen ausstatten. „Und wir freuen uns einfach, wenn Ruhe einkehrt und wir das, was wir jetzt geschaffen haben, genießen können.“