60 Jahre Schnee und Eis getrotzt: Baudenbacher beendet Winterdienst-Ära | FLZ.de

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Veröffentlicht am 23.01.2025 14:00

60 Jahre Schnee und Eis getrotzt: Baudenbacher beendet Winterdienst-Ära

Rudi Bärthlein auf seinem Schlepper mit Streuaufsatz. Seit dem Jahr 2003 erledigt er den Winterdienst alleine in Baudenbach. Bei Schnee wird vorne noch das Räumschild angedockt. (Foto: Anita Dlugoß)
Rudi Bärthlein auf seinem Schlepper mit Streuaufsatz. Seit dem Jahr 2003 erledigt er den Winterdienst alleine in Baudenbach. Bei Schnee wird vorne noch das Räumschild angedockt. (Foto: Anita Dlugoß)
Rudi Bärthlein auf seinem Schlepper mit Streuaufsatz. Seit dem Jahr 2003 erledigt er den Winterdienst alleine in Baudenbach. Bei Schnee wird vorne noch das Räumschild angedockt. (Foto: Anita Dlugoß)

„Wenn der Wetterdienst Schnee gemeldet hat, kann der Rudi in dieser Nacht nicht schlafen.“ Dieser Satz fiel bei der Bürgerversammlung in Baudenbach. Er beschreibt Rudi Bärthlein, der seit 60 Jahren den Winterdienst in Baudenbach erledigt. Nach dieser Saison hört er damit auf, denn im nächsten Jahr wird er 80 Jahre alt.

„Unter vier Bürgermeistern habe ich den Winterdienst erledigt, unter einem fünften will ich es nicht mehr machen“, schmunzelt Rudi Bärthlein. Der erste davon war sein Vater Ernst Bärthlein, der von 1952 bis 1984 die Geschicke der Gemeinde Baudenbach leitete.

Rudi Bärthlein ist auf dem landwirtschaftlichen Hof der Eltern groß geworden. „Während des ganzen Lebens bin ich gewohnt, alleine zu arbeiten“, erzählt er. „Vielleicht war es mir so auch am liebsten. Ich täte mich schwer neben einem zweiten Mann oder einem Kappo.“ Um das Jahr 1965, als es nur wenige Fahrzeuge und harte Winter gab, begann er seine Tätigkeit. „Die Bauern haben mit dem Traktor Schnee geschoben und hinten auf dem Hänger standen zwei Helfer und schaufelten Sand herunter.“ Auch der junge Bärthlein war unter denen, die den Bulldog fuhren.

Kreativität war beim Schneeräumen gefragt

Damals hat noch fast das ganze Dorf mitgearbeitet, wenn Eis und Schnee die Straßen und Wege blockierten. Allerdings wurde in den 1960er Jahren erst um 9 Uhr mit dem Winterdienst begonnen, als die Bauern im Stall fertig waren. Damals war auf den Straßen in seinem Heimatort Baudenbach fast kein Verkehr. Auch Schulbusse fuhren dort noch nicht.

Ab der Gebietsreform 1972 kamen nach und nach die Ortsteile Frankenfeld, Hambühl sowie Roßbach, Höfen und Mönchsberg zum Winterdienst hinzu. Vor allem bei den letzteren Drei wurde es spannend, ging es da doch den Berg hinauf. An einen Schlitten, der schnell zusammengeklappt werden konnte, wenn ein Auto kam, was eher selten der Fall gewesen sei, erinnert sich Bärthlein in diesem Zusammenhang. Auch Kühe seien im Notfall schon mal in Baudenbach angespannt worden.

Mit Salz gestreut wurde ab dem Jahr 1978 – die Gemeinde Baudenbach wuchs und wuchs, auch die Straßen wurden mehr. Die Räum- und Streudienste wurden teils auf die Ortschaften aufgeteilt. Ab dem Jahr 2003 hat Rudi Bärthlein in der gesamten Gemeinde mit neuem Traktor geräumt und gestreut. „Das Fahren hat mir immer besser gefallen als die Arbeit im Stall“, sagt er.

Für über 20 Gemeindestraßen verantwortlich

Für die Arbeit als Winterdienstler scheint er wie geschaffen, ruft er doch jeden Tag den Wetterdienst ab und richtet sich danach. Das frühe Aufstehen macht ihm nichts aus, egal ob es 2 Uhr oder 4.30 Uhr ist. Wenn Rudi Bärthlein weiß, dass er nachts raus muss, „dann gehe ich abends einfach früher ins Bett“. Am schwierigsten sei die Situation, wenn es zwischen 6 und 7 Uhr morgens schneit und glatt wird.

Früher kam er mit rund sechs Tonnen zurecht, heute braucht er rund 30 Tonnen. Kein Wunder: Für 22 Kilometer Gemeindestraßen ist er mittlerweile zuständig. Wenn es die Situation erfordert, fährt er manchmal auch die Straßen mit seinem Auto ab, um nachzusehen, ob Räum- oder Streubedarf ist. Diese Zeit schreibt Bärthlein, der nach Stunden abrechnet, nicht auf. „Da bist du selber schuld“, habe ihm Bürgermeister Wolfgang Schmidt entgegnet. Der muss halt auch sparen, weiß Bärthlein.

Wenn es richtig glatt ist, fährt er mit Ketten, Angst hat er nicht. Er wisse genau, an welchem Gullydeckel das Räumschild hängenbleiben könnte, welche Kurven schwierig sind und wie schnell er fahren darf, damit der Schnee nicht auf den Gehsteig spritzt.

Dass er einmal einem Pfeiler in Hambühl zu nahe gekommen war, zählte eher zu den Ausnahmen. Vor allem ist er dankbar dafür, dass er noch nie krankheitsbedingt den Winterdienst ausfallen lassen musste.

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