500 Jahre Bauernkrieg: Schauspieler bringt Rothenburger Schülern Geschichte näher | FLZ.de

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Veröffentlicht am 14.06.2025 17:12

500 Jahre Bauernkrieg: Schauspieler bringt Rothenburger Schülern Geschichte näher

Markus Grimm gewährte den Schülerinnen und Schülern unter anderem Einblicke in die Rollen Tilman Riemenschneider und Margarete Renner. Er verleiht in seinen Stücken historischen Persönlichkeiten eine Stimme. (Foto: Irmeli Pohl)
Markus Grimm gewährte den Schülerinnen und Schülern unter anderem Einblicke in die Rollen Tilman Riemenschneider und Margarete Renner. Er verleiht in seinen Stücken historischen Persönlichkeiten eine Stimme. (Foto: Irmeli Pohl)
Markus Grimm gewährte den Schülerinnen und Schülern unter anderem Einblicke in die Rollen Tilman Riemenschneider und Margarete Renner. Er verleiht in seinen Stücken historischen Persönlichkeiten eine Stimme. (Foto: Irmeli Pohl)

Dr. Markus Grimm ist Schauspieler und Autor zugleich und vermag es, historische Begebenheiten in spannende Texte, Stücke und Aufführungen zu verpacken. Wie er Geschichte lebendig werden lässt und historischen Persönlichkeiten eine Stimme verleiht, das erzählte er in einem Vortrag vor Schülerinnen und Schülern des Reichsstadt-Gymnasiums.

Anlass waren das Gedenken an 500 Jahre Bauernaufstände und die damit verbundenen Stücke, die Grimm in den vergangenen Jahren recherchiert und geschrieben hat und nun bald aufführen wird.

Es sind zwei Stücke entstanden: „Auch du bist Judas“ wird am Samstag, 5. Juli, und am Samstag, 19. Juli, jeweils ab 18 Uhr in St. Jakob vor dem Heilig-Blut-Altar zu sehen sein. „Die Stille im Auge des Sturms“, ein Theatersolo, wird am Donnerstag, 10. Juli, ab 19 Uhr im Kaisersaal aufgeführt.

Wie in Theaterstücke umwandeln?

„Ich möchte auch junge Menschen für Geschichte und Kultur begeistern“, erklärte Grimm im Anschluss an den Vortrag. Tourismusdirektor Dr. Jörg Christöphler hatte die Veranstaltung für das Gymnasium und im Anschluss für die Oskar-von-Miller-Realschule organisiert.

Jeweils eine Stunde lang referierte Grimm und erzählte über die Hintergründe seiner Stücke. Eine Fragerunde diente anschließend dazu, sich auszutauschen.

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„In Wirklichkeit besteht Geschichte aus Menschen.“

Rothenburg habe sich während des Bauernaufbegehrens mit den Bauernhaufen solidarisiert, erzählte Grimm während seines Vortrags. Grimm befasste sich erst in den vergangenen Jahren im Rahmen des Gedenkjahres intensiver mit dem Bauernkrieg. Er sagt: „In Wirklichkeit besteht Geschichte aus Menschen.“ Es gebe keine abstrakte Geschichte, vor allem habe jeder einzelne Mensch seine Hoffnungen, Wünsche und Bedürfnisse, die ihn individuell umtreiben. Das mache Geschichte lebendig und übertragbar auf die aktuelle Zeit – denn: Für die Werte, für die die Bauern im Bauernkrieg einstanden, stehen Menschen auch heute noch ein.

Aber wie gelingt es, historische Begebenheiten in packende Theaterstücke umzuwandeln? Grimm erklärte, dass es zunächst auf die Recherchearbeit ankommt. Wie lang die Recherche dauere, fragte ein Schüler. „Ein Jahr plane ich dafür ein.“

Eine Großbäuerin bekommt eine Stimme

Dann sei es an der Zeit, zu entscheiden, welcher historischen Persönlichkeit er eine Stimme verleihen möchte. Im Fall der Bauernaufstände hat er sich für drei Personen entschieden, denen er „eine Stimme geben möchte“. Einmal Tilman Riemenschneider, von dem Grimm ein großer Fan ist, wie er gesteht. Um auch die andere Seite des Krieges verstehen und sich in die Person hineinzuversetzen zu können, wählte er den als „Bauernjörg“ bekannten Feldherrn Georg III. Truchseß von Waldburg, der die Aufständischen während des Krieges grausam foltern und töten ließ. Auch eine Frau habe er unbedingt dabeihaben wollen, so Grimm. Margarete Renner war eine Großbäuerin, die im Bauernkrieg ebenfalls eine große Rolle spielte. So selten Handwerker oder Bauern in der Geschichte auftauchten – über Frauen dieser Zeit gebe es noch weniger zu lesen.

Vermitteln möchte er mit seinen Stücken auch das Gespür dafür, dass es echte Menschen gewesen sind, die die Geschichte lebten. „Es gibt keine abstrakte Geschichte“, sagte er. Er versuche, sich in die Menschen hineinzuversetzen: Was haben sie wohl gefühlt, wie haben sie gedacht und warum haben sie so gehandelt? „Ich will in die Situationen gehen.“

Er gab im Anschluss Passagen aus seinen Stücken zum Besten, unter anderem Monologe von Tilman Riemenschneider und Margarete Renner, die Einblicke in das Leben der beiden Protagonisten geben. „Es ist erlaubt, sich Fragen zu stellen.“ Damit meint er, zu hinterfragen, wie sich wohl etwas genau zugetragen hat. Und die Geschichte damit für sich ein Stück weit spannender und nahbarer zu machen.


Von Irmeli Pohl [ipo] (i.pohl@flz.de)
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