Harmonisch und heiß – so beschreiben zumindest die Veranstalter der Silverdust GmbH das diesjährige Summer-Breeze-Open-Air. Die Polizei bestätigt: Die meisten Fans haben trotz hochsommerlicher Temperaturen einen kühlen Kopf bewahrt, doch zahlreiche Diebstähle trüben die Bilanz. Die Malteser „sind zufrieden“.
Kaum erklingen die letzten Töne eines Liedes Strecken die Metalfans ihren Zeigefinger und den kleinen Finger in die Luft. Ein Meer aus Tausenden Pommesgabeln – so wird diese Geste oft genannt – entsteht vor der großen Bühne. Eingerahmt ist diese von zwei Drachen, die je eine Doppelaxt in den Händen halten.
Rund 140 Bands haben hier und auf drei weiteren Bühnen in den vergangenen Tagen gespielt. Am Donnerstagabend heizten die Architecs aus Großbritannien als Headliner ein. Bei Amon Amarth kam am Freitag zu melodiösem Metal jede Menge Pyrotechnik zum Einsatz. Die Band Heaven Shall Burn aus Thüringen brachte das Gelände am Samstagabend mit harten Klängen zum Beben.
„Es waren sehr sehr schöne, sehr heiße Tage“, fasste Alex Härtel bei der Abschlusspressekonferenz der Veranstalter zusammen. Sie alle seien sehr froh für die Wetterlage, so der Pressesprecher weiter. Von Unwetter und Regen blieben die 45.000 Fans verschont – stattdessen Sonne satt an allen Tagen. Die Veranstalter sorgten für Abkühlung: Sprenkelanlagen auf dem Festivalgelände und Sprühnebel aus Schneekanonen sorgten für Erfrischung.
Doch trotz der Hitze ziehen die Einsatzkräfte der Malteser eine positive Bilanz. Am häufigsten haben die Ehrenamtler kleine Blessuren wie Schnittverletzungen, Kreislaufbeschwerden oder Insektenstiche versorgt, geht aus einer Mitteilung hervor.
Rund 2400 Behandlungen zählten sie am Ende. „Es ist die Kunst herauszufinden, was davon lebensbedrohlich ist“, sagt Christoph Schrott. Er ist einer der beiden Leiter des Medical Centers. Das große Zelt ist der Mittelpunkt der medizinischen Versorgung der Malteser, die Behandlungs- und Ruheräume ebenso eingerichtet haben wie vier Intensivplätze. Hier landeten beispielsweise Diabetespatienten, die mit über- oder Unterzucker zu kämpfen hatten, erklärt Schrott. 67 Personen wurden laut Pressemitteilung von dort aus zur weiteren Behandlung ins Krankenhaus transportiert.
Insgesamt waren in Tag- und Nachtschichten 357 ehrenamtliche Helferinnen und Helfer von den Maltesern Bayern und Baden Württemberg im Einsatz. Ersthelfertrupps waren auf dem Gelände unterwegs und mehrere Unfallhilfsstellen dienten als Anlaufpunkte. Koordiniert wurde der Großeinsatz von Gesamteinsatzleiter Thomas Haas. Bei ihm in der Einsatzzentrale laufen alle Alarmierungen zusammen und werden verteilt. Haas lobte die Metalfans: Sie haben sich sehr gut umeinander gekümmert. „Wir sind insgesamt sehr zufrieden mit dem Einsatz“, resümierte er laut Mitteilung.
Neben dem Zelt der Malteser-Einsatzleitung haben auch Feuerwehr und Polizei ihre Hauptlager aufgeschlagen. Jeden Tag um 17 Uhr haben sie sich gemeinsam besprochen. Die Polizeibeamten der Festivalwache berichteten am Sonntag von insgesamt rund 90 Vorgängen. Angezeigt wurden eine sexuelle Belästigung sowie drei Körperverletzungsdelikte. In allen vier Fällen sind die Tatverdächtigen bekannt, schreibt die Polizei. „Einige wenige Verkehrsverstöße“ verzeichneten Einsatzkräfte bei Kontrollen.
Weniger klar steht es um eine ganze Reihe an Diebstählen. Unbekannte Täter suchten laut Polizei in Zelten und Fahrzeugen gezielt nach Bargeld. Bereits in den ersten beiden Nächten wurden rund 50 solcher Vorfälle gemeldet. Insgesamt wurden laut Polizei über 10.000 Euro gestohlen.
Besonders aufwendig für die Polizei waren die Maßnahmen an den Anreisetagen. Staus und Chaos blieben aber aus. Die Veranstalter machten dafür die fest gebuchten Zeitslots am Dienstag, dem Hauptanreisetag, verantwortlich. Sie planen, diese Buchung kommendes Jahr auf Mittwoch auszuweiten. Wie die Polizei auf Anfrage mitteilte, verlief auch die Abreise am Sonntag ohne Probleme.