Der Wirtschaft mag es schlecht gehen, doch die Unternehmen suchen nach wie vor nach Auszubildenden. „Die Firmen orientieren sich längerfristig, sie bilden aus und übernehmen”, sagt Horst Maußner, der stellvertretende Leiter der IHK-Geschäftsstelle Ansbach und Hauptorganisator der 26. Ausbildungsstellenbörse am Freitag, 26. September.
Organisiert wird die Börse unter dem Motto „Junge Talente” von der Industrie- und Handelskammer (IHK) Nürnberg für Mittelfranken, der Handwerkskammer für Mittelfranken, der Kreishandwerkerschaft Westmittelfranken, der Agentur für Arbeit Ansbach-Weißenburg sowie der Stadt und dem Landkreis Ansbach.
Zum vierten Mal findet die Stellenbörse unter freiem Himmel auf dem Martin-Luther-Platz, Montgelasplatz, Johann-Sebastian-Bach-Platz und in der Reitbahn statt. Die Notlösung aus Corona-Zeiten, als der langjährige Veranstaltungsort Onoldiasaal nicht genutzt werden konnte, ist längst zum Standard geworden. Maußner: „Wir haben Blut geleckt und können uns nicht mehr vorstellen, in eine Halle zu gehen.”
Seitdem schreibt das neue Format reihenweise Rekorde. So auch in diesem Jahr. 78 Aussteller präsentieren 110 Ausbildungsberufe und 40 duale Studiengänge, so viel wie nie. Auch die FLZ wird mit ihrem Info-Bus vertreten sein. Die Warteliste der Firmen sei lang, so Maußner: „Wir könnten die Börse noch einmal besetzen.” Insgeheim hofft man auf gutes Wetter, um auch bei den Zahlen der Besuchenden das Vorjahres-Ergebnis zu toppen: 2024 informierten sich knapp 5000 Jugendliche über ihre Möglichkeiten auf dem Ausbildungsmarkt. Wichtiges Kriterium: Die Firmen, die sich am 26. September von 9 bis 16 Uhr auf der Börse präsentieren, müssen aus der Region stammen.
Auf der Börse könnten die Jugendlichen Berufe und Firmen auf Augenhöhe kennenlernen und sich bei Praktika ausprobieren, sagt Andreas Völkner, Geschäftsführer der Kreishandwerkerschaft. In diesem Jahr habe man 50 Azubistellen mehr im Angebot, so Völkner, und Duale Studiengänge seien inzwischen auch im Handwerk ein „Riesen-Thema”.
Das unterstrich auch Matthias Braun von der Handwerkskammer. Nach der Corona-Delle sei man gerade dabei, die Zahlen von 2019 zu toppen. „Wir wollen den jungen Leuten ihre Möglichkeiten für eine Karriere im Handwerk aufzeigen”, sagte Braun. Schließlich suchten aktuell über 6000 Handwerks-Betriebe in Mittelfranken einen Nachfolger. Braun stellte zudem ein neues Zertifikat der Handwerkskammer vor. Mit dem Siegel „TalentWerk” sollen Betriebe ausgezeichnet werden, deren Ausbildungs-Qualität besonders hoch ist.
Aktuell gebe es rechnerisch eineinhalb Ausbildungsstellen pro Bewerber, sagt Armin Hirschbeck von der Arbeitsagentur. Deshalb seien viele Stellen noch unbesetzt: „Bitte unbedingt melden, wer noch nicht versorgt ist.” Stellen könnten auch noch im November oder Dezember besetzt werden.
Der Aufwand für die Börse im Freien sei zwar höher, sagt Rechtsreferent Udo Kleinlein von der Stadt Ansbach, aber inzwischen sei die Börse „das Lieblingsprojekt der städtischen Wirtschaftsförderung”. Die Stadt nehme auch als Ausbildungsbetrieb teil: „Seit die Konjunktur nicht mehr boomt, gibt es bei uns eine verstärkte Nachfrage.”
Für Rüdiger Busch und Laura Salvatori-Wächtler, Wirtschaftsförderer des Landkreises Ansbach, ist die Börse „das Schaufenster der beruflichen Zukunft unserer Region”. Trotz der Hiobsbotschaften aus der Wirtschaft müsse man keinem Unternehmen nachrennen, an der Börse teilzunehmen.
Neben den Ausbilderinnen und Ausbildern bringen viele Unternehmen auch ihre Azubis mit, sodass sich die Jugendlichen bei Gleichaltrigen informieren können. Immer direkt und auf Augenhöhe, so Daniel Schletterer, Ausbildungsberater der Arbeitsagentur: „Man landet eben nicht wie bei größeren Arbeitgebern in der Hotline.”
Neben vielen Informationen gibt es auch heuer wieder Aktionsflächen, zum Beispiel können sich die Jugendlichen beim Baggerfahren ausprobieren. Der Nachmittag biete die Gelegenheit auch für Eltern, intensive Gespräche zu führen, so Horst Maußner. Das unterstreicht auch Matthias Braun von der Handwerkskammer: „Die Eltern sind oft das Zünglein an der Waage.” Die Berufsbilder der Eltern sei gerade im Handwerk oft veraltet. Doch es habe sich viel verändert, sodass zum Beispiel immer mehr Frauen in Handwerksberufen vertreten seien.