„Lasset die Kinder zu mir kommen“ heißt es seit 150 Jahren in der Pfarrei St. Gumbertus-St. Johannis. Zum zweiten Advent feiert der Kindergottesdienst Geburtstag. Jeden Sonntag rund 100 Kinder sind es heute zwar nicht mehr, doch die evangelischen Gemeinden blicken mit Mut und verschiedenen Angeboten in die Zukunft.
Zum ersten Kindergottesdienst in St. Johannis eingeladen wurde am 1. Advent 1873. Unter Pfarrer Friedrich Haußleiter, der 1916 auch den Erntedankzug einführte, wechselte er nach St. Gumbertus. Aus der Kirchengemeinde St. Johannis entstanden weitere Gemeinden, die sich dann eigenständig um ihren Kindergottesdienst kümmerten.
Wesentlich geprägt hat Reinhard Baran von 1963 bis 1997 den Kindergottesdienst unter drei Pfarrern und den Teeniegottesdienst 1999 bis 2005. Er ist im Kirchenvorstand und der Gesamtkirchenverwaltung aktiv. „Das Miteinander hat bestens funktioniert“, blickt Baran zurück.
Zu Hoch-Zeiten kamen zwischen 80 und 120 Kinder zum Gottesdienst. Jeden Sonntag gab es ihn, extra organisiert von einem Helferkreis. Aus der Sache heraus habe man eher eine fortschrittliche Theologie verfolgt. Doch auch Menschen aus dem Umfeld der Landeskirchlichen Gemeinschaft, die eher konservativ auftritt, brachten sich ein. „Da wurde auch mal hart diskutiert“, so Baran.
Eine Menge Freundschaften und Ehepaare seien aus dem Mitarbeiterkreis entstanden. Von 1950 an brachte er bis heute zehn Pfarrerinnen und Pfarrer, darunter ein Dekan, und zwei Religionspädagogen hervor. Die Arbeit im Kreis habe den Helfern, die oft kurz nach der Konfirmation dazukamen, viele grundlegende Erfahrungen beschert. „Da verschwand die Angst, vor vielen Menschen zu sprechen“, meint Reinhard Baran.
Zum 100-jährigen Bestehen des Kindergottesdienstes wurde 1973 eine Weihnachtskrippe des Colmbergers Karl Wening angeschafft. „Sie kommen ohne Pomp aus“, sagt Baran bewundernd über die Tonfiguren des taubstummen Künstlers. Die Krippe sei so groß, dass sie in St. Gumbertus nicht aufgebaut werden könne, da dort auch Konzerte stattfänden, erklärt Pfarrerin Dörte Knoch.
Doch im Gottesdienst sollen Figuren und Gruppen in der Kirche platziert werden. Anhand derer werden den Kindern die Weihnachtsgeschichte und christliche Motive, wie das des Hirten, näher gebracht.
Heute gebe es den klassischen Kindergottesdienst in der Pfarrei nur noch in Hennenbach, erzählt Knoch. „Man darf sich der Realität nicht verschließen“, sagt sie und meint damit die sinkende Zahl an Gläubigen und Kindern. Etwa die „Äktschen“-Samstage gibt es seit Corona nicht mehr.
Oliver Englert, geschäftsführender Pfarrer der Gemeinden St. Johannis und St. Gumbertus, will das Jubiläum dementgegen auch als Anlass nehmen, „mit Mut in die Zukunft zu blicken“. Es ist auch noch eine Stelle „für einen dynamischen Pfarrer“ für die Kinder- und Jugendarbeit frei. In der Kinderkantorei würden die Kleinen mit dem Gesang selbstverständlich auch an geistliche Themen herangeführt, berichtet Knoch. Die Pfarrer seien beim Nachwuchs sehr wohl bekannt – dank der mindestens monatlichen Besuche im Kindergarten samt dortigem Gottesdienst.
Durch kreative Mittel habe sich die Kinderarbeit immer weiter fortentwickelt, in der Corona-Zeit etwa mit Videos. Oder mit Freifrau von und zu Gumbertus, einer Handpuppe, die mit den Kindern spricht und spielt. „Wirklich beeindruckend“ und ein Signal für die Bedeutung der Kirche sei der gut besuchte Erntedankzug, zu dem auch ein Familiengottesdienst stattfinde, so Knoch. Letztere finden monatlich statt – und sind auch eine besondere Art von Kindergottesdienst.
Am Sonntag, 10. Dezember, ist ab 10 Uhr ein Gottesdienst in St. Johannis sowie ein anschließendes Fest im Gemeindehaus mit Imbiss sowie Aktionen für Kinder. Dazu lädt die Pfarrei auch alle ehemaligen Kindergottesdienst-Kinder und Helfer ein. Es sprechen Susanne Häßler, die Pfarrerin für KIGO-Arbeit in Bayern, und Pfarrer Jörn Küne, Vorsitzender des Landesarbeitskreises für Kindergottesdienst.