Der Frühling ist da, Ostern auch und im Bad Windsheimer Freilandmuseum ist tierisch was los. Ab sofort erwartet die Besucher dort neues Leben in seiner schönsten Form: 13 Lämmer springen über die Wiesen, zehn Ferkel tummeln sich im Stall und im Nest aus Heu haben sich Hasenkinder eingekuschelt.
Nicole Dümmler kümmert sich um all die Tierkinder. Sie schaut, ob es ihnen gut geht, ob sie gesund und munter sind, ob sie ausreichend fressen, wachsen und an Gewicht zunehmen. Die Mütter hat sie ebenfalls im Blick. Denn auch sie sollen gesund bleiben, sich nach der Geburt ihres Nachwuchses erholen und wieder zu Kräften kommen. So sind die Monate März und April für Dümmler stets ereignisreich. Während dieser Zeit ist kein Tag wie der andere. Denn Geburten halten sich an keine Arbeitszeiten. Meist kommt der Nachwuchs in den späten Abendstunden auf die Welt oder in den frühen Morgenstunden.
Die 43-jährige Landwirtin steht auf der Wiese und lässt den Blick über die Herde der Coburger Fuchsschafen schweifen, die aus insgesamt 54 Tieren besteht. Sie ist zufrieden. Die 13 Lämmer, acht Mädchen und fünf Jungen, springen fröhlich übers Grün oder schlafen in der Sonne. Immer mal wieder wird das Euter der Mutter angesteuert. Oder zaghaft am Gras geknabbert. Es ist eine fast schon kitschige Idylle, wie aus dem Bilderbuch.
Da kommt Lotte angelaufen und steuert direkt auf Dümmler zu. „Lotte ist das Leitschaf. Wenn ich sie rufe, kommen auch die anderen“, sagt die Landwirtin und streichelt das Tier. Lottes Körper ist voluminös, sie schnauft schwer, denn sie ist hochträchtig. Ihr Nachwuchs wird voraussichtlich in der ersten Aprilwoche geboren. Dümmler erwartet, dass noch insgesamt 20 weitere Lämmer dazu kommen. Eines haben sie alle gemeinsam: den Vater. Der war im vergangenen Oktober zur Herde gekommen und hat sie im Januar wieder verlassen.
Fünf Monate lang ist ein Schaf trächtig. „Wir planen immer so, dass die Lämmer pünktlich zu Ostern über die Wiesen des Freilandmuseums springen“, sagt Dümmler. Denn die großen und kleinen Besucher lieben die Tierkinder und verweilen gerne bei ihnen, sie beobachten und fotografieren sich mit ihnen im Hintergrund. Deswegen hat Dümmler auch in diesem Jahr wieder vorgesorgt und die Wiese direkt am Eingang des Museums eingezäunt. Dort grast die Herde über Ostern.
Noch sind die Lämmer dunkelbraun. Bis sie vier Monate alt sind, verändert sich ihr Fell. Es wird heller und ähnelt der Fellfarbe eines Fuchses. Und es schimmert golden. „Deswegen bezeichnet man es auch als das Goldene Vlies“, sagt Dümmler und zupft Schafwolle von einem Ast. Das sei dort hängen geblieben und werde nun von den Vögeln zum Nestbau genutzt. Für die 43-Jährige ist das eines von vielen Beispielen für ein intaktes Ökosystem. Und das würde ohne die Schafe nicht so optimal funktionieren.
Fürs Freilandmuseum betreiben die Tiere zudem aktive Landschaftspflege. Im Gegensatz zu anderen Rassen haben die Coburger Fuchsschafe nämlich kleine, feste Klauen, mit denen sie den Untergrund verfestigen – und indem sie selektiv fressen, schaffen sie Platz für eine Vielzahl an nachwachsenden Gräsern. „Was sie leisten, lässt sich mit keiner Maschine umsetzen.“ Außerdem würden sie Gräser-Samen, die an ihren Beinen hängen bleiben, von einer Wiese zur anderen tragen. Durch dieses Gesamtpaket habe sich die Grünlandstruktur auf den Wiesen des Museums bereits maßgeblich verändert.
Süßen Nachwuchs gibt es auch im Stall beim Schwäbisch-Hällischen Landschwein. Charakteristisch für diese Rasse sind der schwarze Kopf und das schwarze Hinterteil. Zehn auf einen Streich sind hier vor nunmehr sechs Wochen geboren worden. Es sind jeweils fünf Mädchen und Jungen. „Alle von einer Mama.“ Die heißt Alisia und ist drei Jahre alt.
„Ferkel spielen wie kleine Kinder miteinander“, sagt Dümmler und schaut ihnen dabei zu. Während eines der Tiere komplett im Futtertrog steht und zufrieden schmatzt, rangeln zwei andere miteinander und ein weiteres wühlt sich mit dem Rüssel grunzend durchs Stroh. „Sie brauchen Beschäftigung und müssen das ausleben, ansonsten werden sie verhaltensauffällig“, sagt die Landwirtin, die seit vier Jahren zum Museums-Team gehört und selbst einen Milchviehbetrieb bewirtschaftet.
Wie viele Hasenkinder in der Baugruppe Altmühl im Nest aus Heu liegen, weiß Dümmler indes nicht. Das Muttertier hat seinen nackt geborenen Nachwuchs in einer Ecke des Stalles versteckt. „Deutsche Großsilber“ nennt sich die Rasse. Sie steht auf der roten Liste, ist gefährdet.
Und es geht weiter mit neuem Leben im Museum: Bei den Gänsen wird es im April noch Nachwuchs geben, genauso wie bei den Ziegen. Etwas länger müssen Rinderfreunde warten, welche die Kälber bei den Triesdorfer Tigern sehen wollen. Bei denen ist „Brösel“ sicher trächtig und „Brauni“ wahrscheinlich auch. Bei ihnen könnte es im September spannend werden. Dann dauert es auch nicht mehr lange bis zum ersten Geburtstag von „Bertha“, die am 11. November geboren worden war. „Ihr geht’s super, sie genießt das Leben.“