1100 Maßnahmen: Wie der Radverkehr im Landkreis Ansbach wichtiger werden soll | FLZ.de

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Veröffentlicht am 20.04.2026 06:54

1100 Maßnahmen: Wie der Radverkehr im Landkreis Ansbach wichtiger werden soll

Die Bedeutung des Radverkehrs steigt. Aber das Wegenetz weist noch Lücken und Mängel auf.  (Symbolbild: Thomas Schaller)
Die Bedeutung des Radverkehrs steigt. Aber das Wegenetz weist noch Lücken und Mängel auf. (Symbolbild: Thomas Schaller)
Die Bedeutung des Radverkehrs steigt. Aber das Wegenetz weist noch Lücken und Mängel auf. (Symbolbild: Thomas Schaller)

Das Radverkehrskonzept für den Landkreis Ansbach ist fertig. Es soll die Grundlage für eine nachhaltige Entwicklung sein. Kritiker erwarten allerdings, dass das Geld auf absehbare Zeit nicht reichen wird, um nennenswerte Teile der vorgeschlagenen Maßnahmen umzusetzen.

Zurzeit liegt der Radverkehrsanteil im Landkreis Ansbach bei relativ niedrigen sechs Prozent, nach anderen Messungen bei neun Prozent. Der Landkreis Ansbach will von der Arbeitsgemeinschaft fahrradfreundlicher Kommunen (AGFK) als fahrradfreundlicher Landkreis zertifiziert werden. Eine der Voraussetzungen dafür ist ein Grundsatzbeschluss des Kreistags, den Anteil des Fahrrads am gesamten Verkehrsaufkommen zu erhöhen. Der ÖPNV-Ausschuss empfahl nun dem Plenum des Kreistags mehrheitlich, den entsprechenden Beschluss zu fassen.

Umsetzung nur so weit das Geld reicht

Im Ausschuss stellte Julia Höhnel vom Planungsbüro Mobilitätswerk das Konzept vor. Durch ein wachsendes Gesundheitsbewusstsein, E-Bikes und mehr Radwege nehme der Radverkehr derzeit einen Aufschwung, stellte Landrat Dr. Jürgen Ludwig (CSU) einführend fest. Es handle sich bei dem Konzept nicht um einen verbindlichen Plan, sondern um Empfehlungen. Das vorhandene Geld setze der Verwirklichung Grenzen.

Am Ende soll das Netz 1700 Kilometer umfassen. Dazu gehören aber nicht nur gesonderte Wege, sondern auch wenig befahrene Straßen. 1100 Maßnahmen empfiehlt das Konzept, sowohl auf Strecken als auch auf einzelne Punkte bezogen.

Die Kosten schätzt Höhnel auf etwa 69 Millionen Euro. „Ein großer Teil der Wege ist schon in Ordnung. Trotzdem ist das viel Geld”, sagte sie. Den Großteil davon müssten die Gemeinden aufbringen, die sich wiederum um Fördermittel bemühen könnten. Die Umsetzung sei auf zehn bis 15 Jahre ausgelegt. Entsprechend soll gemeinsam mit den Gemeinden, kommunalen Allianzen und den anderen Straßenbaulastträgern wie Bund und Land kontinuierlich an der Realisierung gearbeitet werden.

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Zahlen im Konzept seien „nicht ernst zu nehmen”

Das Konzept sei eine gute Datengrundlage, sagte Gerhard Korn (CSU), enthalte aber Lücken und Fehler. Eine Weiterentwicklung und Priorisierung sei daher nötig. Gabi Schaaf (Grüne) forderte, interessierte Bürger einzubinden, zum Beispiel durch öffentliche Versammlungen auf Gemeindeebene. Ein Netz könne nur auf übergeordneter Ebene entstehen, erklärte Holger Göttler (Freie Wähler). Gerade wenn wenig Geld vorhanden sei, müsse man wissen, wo man es am sinnvollsten ausgibt.

Besonders in touristisch geprägten Städten wie Rothenburg seien Fahrradspinde am Bahnhof notwendig, sagte Silke Sagmeister-Eberlein (CSU). Gerhard Siegler (Freie Wähler) verwies darauf, dass mit dem Beschluss die Verwaltung stark gefordert sei.

Als „Advocatus Diaboli“, also als Anwalt des Teufels, bezeichnete sich Rainer Erdel (FDP), der auch Bürgermeister von Dietenhofen ist. „Wir bauen ein Wolkenkuckucksheim auf und wecken Erwartungen, die weder die Gemeinden noch der Kreis erfüllen können”, kritisierte er. Die im Konzept genannten Zahlen zu den Baukosten von Radwegen seien „nicht ernst zu nehmen”. Das Konzept sei eine Basis, die bei einer anderen Haushaltslage weiter behandelt werden könne.

Eine Anleitung, die das Erreichbare zeigt

Er könne Erdels Argumentation nachvollziehen, bestätigte Michael Sommer, Bürgermeister von Wilburgstetten. Die angestrebte Erhöhung des Radverkehrsanteils werde „sehr schwer erreichbar” sein. Sommer und Erdel stimmten folgerichtig gegen den Empfehlungsbeschluss der Mehrheit.

Optimistischer äußerte sich Maria Hetzel (ÖDP). Es gehe primär um Lückenschlüsse und Verbesserungen, meinte sie. Wolfgang Hauf (Grüne) versteht das Konzept nicht als Muss, sondern als Handlungsanleitung, „was man erreichen kann”.


Thomas Schaller
Thomas Schaller
Redaktion Westmittelfranken/Landkreis Ansbach
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