Happy trägt seinen Namen nicht umsonst. Das sechs Monate alte Fohlen frisst in Birnbaum (Gemeinde Gerhardshofen im Landkreis Neustadt/Aisch-Bad Windsheim) genüsslich Heu, danach dreht der junge Hengst mit seinen fünf gleichaltrigen Artgenossen eine Runde im Auslauf. Happy hatte wirklich Glück. Um ein Haar wäre er beim Pferdemetzger gelandet.
Dem Schicksal nachgeholfen hat Sigrun Kleber. Sie rettet junge Pferde vor dem Tod und hat dafür den Verein Pferdefreunde Birnbaum gegründet. Das liegt am 15. November genau 30 Jahre zurück.
Dem ersten Fohlen hatte die Pferdeliebhaberin bereits ein Jahr vor der Vereinsgründung geholfen. Damals hatte es in Ansbach eine Fohlenauktion gegeben, bei der sie Jurik erstanden und ihm – und damit auch dem ersten Pferd – das Leben gerettet hat, erinnert sie sich. Der Hengst lebte danach noch 26 Jahre lang.
1990 ist die gebürtige Hemhoferin nach Birnbaum gekommen. Gleich neben den Weihern am Ortsausgang Richtung Dachsbach hatte sie damals den Hof gekauft und renoviert. Sigrun Kleber hatte schon immer eine Leidenschaft für Pferde. Als aktive Reiterin nimmt sie an Springturnieren teil. Neben ihren eigenen Pferden und einigen Gnadentieren leben bei ihr noch fünf rumänische Straßenhunde. Auch vier Katzen streifen über den Hof. Die frühere Krankenschwester widmet sich mittlerweile ganz den Vierbeinern. Das sei bei so vielen Tieren ein Ganztagsjob.
Nebenbei betreibt sie einen kleinen landwirtschaftlichen Betrieb. Unterstützung hat die 57-Jährige von Sohn Julian, der auch auf dem Hof lebt und von ein paar Helfern. Die Pferde aus Rettungsaktionen sind normalerweise nur kurzzeitig zur Pflege bei der Vereinsvorsitzenden auf dem Hof. Ziel ist es, sie in gute Hände zu vermitteln. Soziale Medien sind für die Pferdefreunde ein wichtiges Instrument.
Hier findet der Verein gleichgesinnte Tierfreunde, die Pferde aufnehmen, aber auch Spender und Sponsoren. Die 130 Vereinsmitglieder des Birnbaumer Vereins kommen aus ganz Deutschland. Doch warum landen junge und gesunde Tiere überhaupt beim Schlachter? Das sei ähnlich wie mit den männlichen Küken, so Kleber. Die Stuten werden für die Zucht benötigt, die Hengstfohlen seien hingegen eine Art Abfallprodukt. Zwar bekommt man für einen jungen Hengst zwischen 1000 und 1500 Euro. „Doch so viel zahlt der Metzger auch“, weiß die Tierfreundin. Vor der Auktion gehen die jungen Tiere auf die Waage. Gezahlt wird nach Gewicht.
Der Waage und damit dem sicheren Tod entkommen sind auch Moritz, Gino, Wotan, Herbert und Merlon. Für die sechs Monate alten Hengstfohlen sucht der Verein noch nach Vermittlungsstellen. „Das sind alles gesunde Tiere. Warum sollte man sie töten?“, fragt Kleber.
Regelmäßig fährt sie zu Auktionen nach Italien oder Österreich. Allein vergangenes Jahr hat sie 18 Pferde gekauft. Zwei davon wurden krank und hatten Koliken. Tierarzt und Klinikaufenthalte kosten viel Geld. Neben den Mitgliedsbeiträgen ist der Verein deshalb auf Spender und Sponsoren angewiesen. Letztere leihen dem Verein auch die Kaufsummen für die Rettungspferde. Das Geld bekommen sie zurück, sobald die Tiere vermittelt wurden.
Ihr Einsatz für die Tiere hat Sigrun Kleber in den Anfangsjahren des Vereins schon einmal einen Auftritt in einer Sendung mit Moderator Gerd Rubenbauer beim Bayerischen Fernsehen beschert. Damals wurde ihr der zweite Platz als „Bayer des Monats“ verliehen. Lang ist es her.
In den vergangenen 30 Jahren hat Sigrun Kleber mit ihrem Verein rund 1000 Fohlen davor bewahrt, zu Wurst oder Tierfutter verarbeitet zu werden. Happy und seine Freunde ahnen davon zum Glück nichts. Sie fressen ihr Heu und haben hoffentlich noch viele schöne Pferdejahre vor sich.