Zum Auftakt des Jubiläumsjahres „100 Jahre Heimatkrippe” hielt Pfarrgemeinderatsvorsitzender Andreas Mack im Haus der Geschichte einen Festvortrag. Mit diesem erinnerte der Referent an den Initiator der Krippe, Dr. Dionys Stiefenhofer, und dessen geistig-künstlerisches Vermächtnis für Dinkelsbühl.
Der Redner wies zunächst auf seine Verbundenheit mit St. Georg hin, wo er getauft wurde und als Ministrant tätig war. In seiner Zulassungsarbeit zum ersten Staatsexamen an der Universität Würzburg befasste sich Mack erstmals ausgiebig mit der Krippe im Münster.
Der 1881 in Irsee bei Kaufbeuren geborene Pfarrer Dr. Dionys Stiefenhofer wurde 1920 Stadtpfarrer in Dinkelsbühl und gilt als geistiger Vater des Kunstwerks. Mit seinem Entschluss, eine echte Heimatkrippe zu schaffen, wollte der Theologe, Heimatforscher und Historiker die Betrachter an seinen Gedanken teilhaben lassen. Deshalb verlegte er den Krippenort aus dem fernen Bethlehem nach Dinkelsbühl.
Die Einbettung der biblischen Szenen in die Dinkelsbühler Altstadt verleiht der Heimatkrippe ihren besonderen Reiz. Zu erkennen sind bei der alttestamentlichen Prophetendarstellung um Jesaja der Hezelhof, das Deutsche Haus, die Schranne und das Segringer Tor. Auch die Vertreibung aus dem Paradies fand Zugang zur Krippe, die somit weit mehr als die Weihnachtsgeschichte umfasst.
Die handgeschnitzten Figuren stammten vom Günzburger Bildhauer Johann Hirsch und später vom Augsburger Schnitzer Richard Brinz. Der Dinkelsbühler Zimmermann Anton Hügele und der pensionierte Ingenieur Georg Martin wirkten wie weitere Handwerker ehrenamtlich an den Arbeiten mit. Der Maler Alfons Fink und der Holzbildhauer Heinrich Jahreiß ließen sich hingegen ihren Aufwand bezahlen, so dass die Kosten nur durch beträchtliche Spenden und den Inhalt des Klingelbeutels gedeckt werden konnten.
Im Oktober 1926 erteilte Stiefenhofer den Auftrag für das Erstellen der Geburtsszene, die nicht nur Maria, Josef und das Jesuskind, sondern insgesamt 14 Figuren umfasste. Das bedeutete einen finanziellen Kraftakt, da die Kosten von 500 Reichsmark etwa vier Monatsgehältern eines Arbeiters entsprachen. Den Krippenstall fertigte der Zimmermannslehrling Josef Meier als Gesellenstück unentgeltlich an. Mit dem gut 200 Kilogramm schweren Stallgebäude war der Grundstein für die Heimatkrippe gelegt.
In den folgenden Jahren bis 1939 erweiterte Stiefenhofer die Krippe zum heutigen Gesamtkunstwerk. Die einzelnen Szenen wurden nicht nach ihrer eigentlichen chronologischen Reihenfolge hergestellt, sondern die Arbeiten erfolgten, ohne die Zeitgeschichte einzuhalten. So kam es, dass die Herbergssuche, die zu Beginn einzuordnen wäre, erst ganz am Schluss fertiggestellt wurde.
Der Referent sprach den Generationen von Helfern herzlichen Dank dafür aus, dass die Krippe über ein Jahrhundert bewahrt wurde. Zunächst stand sie in einem Anwesen am Kirchhöflein, erst ab 1980 sei sie wieder in die Kirche zurückgekehrt, zunächst aber noch nicht an ihren jetzigen Platz. Danach sei das Krippenteam um Ernest Forster in unentwegter Arbeit damit beschäftigt gewesen, die „Sehenswürdigkeit“ jedes Jahr auf- und abzubauen. Mit einem Zitat Stiefenhofers und der Ankündigung „Im Jubiläumsjahr bleibt die Krippe das ganze Jahr über in ihrer vollen Pracht stehen“, schloss der Referent seine Ausführungen.
Als Vorsitzender des Historischen Vereins hatte Landrat Dr. Jürgen Ludwig in seinem Grußwort die Zuhörenden ermuntert, sich näher mit der Krippe zu beschäftigen. Die Krippe berge eine „Themenwelt mit Aussagen“, worauf der Fokus gelegt werden solle. Auch die Museumsleiterin Ute Heiß freute sich über den guten Zuspruch beim Start ins Jubiläumsjahr.
Stadtpfarrer Joachim Pollithy hatte in dem vorangehenden feierlichen Gottesdienst die Krippe unter die theologische Lupe genommen und zwei Szenen für seine Predigt herausgegriffen. Mitglieder der Stadtkapelle wirkten als musikalische Begleitung mit und intonierten „Ich steh an deiner Krippen hier“.