100 Jahre alt und von Anfang an SPD-Wähler: Ansbacher blickt auf sein Leben zurück | FLZ.de

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Veröffentlicht am 12.04.2026 13:44

100 Jahre alt und von Anfang an SPD-Wähler: Ansbacher blickt auf sein Leben zurück

Bis vor nicht allzu langer Zeit besuchte Rudolf Steinleitner (links) noch seinen Stammtisch. Aus Anlass seines Ehrentags kam er mit Mitgliedern des Treffs und seinem Sohn Klaus Steinleitner (Zweiter von links) zusammen. (Foto: Oliver Herbst)
Bis vor nicht allzu langer Zeit besuchte Rudolf Steinleitner (links) noch seinen Stammtisch. Aus Anlass seines Ehrentags kam er mit Mitgliedern des Treffs und seinem Sohn Klaus Steinleitner (Zweiter von links) zusammen. (Foto: Oliver Herbst)
Bis vor nicht allzu langer Zeit besuchte Rudolf Steinleitner (links) noch seinen Stammtisch. Aus Anlass seines Ehrentags kam er mit Mitgliedern des Treffs und seinem Sohn Klaus Steinleitner (Zweiter von links) zusammen. (Foto: Oliver Herbst)

Zielsicher läuft Rudolf Steinleitner im Lokal zum Tisch mit dem roten Wimpel. Die Aufschrift weist auf den SPD-Stammtisch Hennenbach hin. Sechs Mitglieder des Treffs feiern mit ihrem Rudi seinen 100. Geburtstag nach. Der Ansbacher Jubilar blickt zurück in die Geschichte und sagt, was ihn einst zu seiner Partei führte.

Am 21. März 1926 erblickte Rudolf Steinleitner in Ansbach das Licht der Welt. Die krisengeschüttelte Weimarer Republik erlebt gerade eine von vielen kurzlebigen Minderheitsregierungen. Nur sieben Jahre später sollte die nationalsozialistische Terrorherrschaft anbrechen und Schrecken über Deutschland, Europa und die Welt bringen.

Nach der Schule besuchte der junge Rudolf Steinleitner von 1940 bis 1944, also in den Zeiten des Zweiten Weltkrieges, die Maschinenbauschule in seiner Stadt. Eine Abschlussfeier gab es da schon gar nicht mehr, wie sich der heute 100-Jährige erinnert. „Das sind wir vorher eingezogen worden zum Militär.” Erst kam er nach Schweinfurt, Böblingen, Südfrankreich und in die Niederlande.

Nach dem Krieg vier Jahre Gefangenschaft

Von da „ging es dann nach Osten rüber: Ostpreußen”, schildert der Ansbacher, „dann kam ja der Rückzug über Polen.” Dem Kriegsende folgten von 1945 bis 1949 vier Jahre Gefangenschaft in der damaligen Sowjetunion. Anschließend kehrte Rudolf Steinleitner zunächst zurück nach Ansbach. „Da habe ich später meine Frau kennengelernt.”

Seine berufliche Laufbahn weist mehrere Stationen auf. Doch die meiste Zeit, ungefähr drei Jahrzehnte, verbrachte der Fertigungstechniker bei der Firma Linde-Güldner in Aschaffenburg. Tätig war er in der Fertigungsplanung und in der Arbeitsvorbereitung, am Ende als Abteilungsleiter. Bei der Industrie- und Handelskammer (IHK) unterrichtete er Fertigungstechnik.

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Der Eintritt in die Partei nach langer Sympathie

Mit seiner Frau Johanna, die inzwischen verstorben ist, und den Kindern lebte er im Raum Aschaffenburg, am Schluss in Obernau. Im Ruhestand kehrte der verwitwete Rudolf Steinleitner 2015 zurück in seine Heimatstadt. Hier lebt er im Betreuten Wohnen der Seniorenresidenz Ansbach und versorgt sich selbst.

Am 1. Juni 1985 trat Rudolf Steinleitner der SPD bei. Er kam „erst spät” dazu, wie er aus seinem reichen Leben lächelnd anmerkt. Aber seine Sympathie habe immer der Sozialdemokratie gegolten. „Ich war von Anfang an schon ein SPD-Wähler.” Es sei eben eine Partei, die sich für „die kleineren Leute” einsetze. Schon in der Aschaffenburger Zeit war er überdies als eifriger Leserbriefautor bekannt.

Ist er mit dem gegenwärtigen Zustand seiner Partei zufrieden? Die Frage löst am Tisch ein Raunen in der Runde aus. Rudolf Steinleitner äußert sich bestimmt: In der Zeitung lese er meist Negatives und kaum Positives. Allerdings: „Jede Partei hat ein Für und ein Wider, aber ich bin bei der SPD geblieben, weil man eben für die arbeitenden Menschen da war.”

Ab 2015 der Treff im Gasthaus Weinberg

Von 2015 bis vor nicht allzu langer Zeit besuchte der Sozialdemokrat den SPD-Stammtisch Hennenbach im Gasthaus Weinberg. Er hatte in der Fränkischen Landeszeitung von ihm erfahren. „Plötzlich kommt ein langer, schlanker Mann und fragt: 'Bin ich da richtig beim Stammtisch?”, stellt Günther Schühlein fest. Er „managt” mit Helmut Frauenschläger den Stammtisch.

1978 im damaligen Gasthaus Linde gegründet, wechselte dieser später ins Gasthaus Weinberg, das mittlerweile ebenfalls Geschichte ist. Inzwischen treffen sich Sozialdemokratinnen und Sozialdemokraten regelmäßig im Bratwurstglöckle. Längst steht der Stammtisch nicht mehr nur Hennenbacherinnen und Hennenbachern offen, sondern dem ganzen SPD-Kreisverband Ansbach Stadt und darüber hinaus.

An jedem Tag ein- bis zweimal am Computer

Um seinen hohen Geburtstag nachzufeiern, kamen die beiden „Manager” sowie Irmgard Fromm-Skibbe, Erwin Porzner, Werner Schäfer und Dieter Schneider zu ihrem Genossen Rudi ins Lokal in der Seniorenresidenz. Auch Klaus Steinleitner als Sohn war mit dabei. Zu Rudolf Steinleitners Familie zählen außerdem seine zwei Töchter und ein Enkel.

Für den Stammtisch hat der Jubilar nur Lob übrig: „Das war eine schöne Gemeinschaft, da hat man sich unterhalten, es ist relativ wenig politisiert worden, aber man war halt unter Menschen.” Auch wenn er den Treff mit 100 Jahren nicht mehr besucht, wird ihm wohl nicht langweilig. Mit den modernen Medien zeigt er sich vertraut: „Jeden Tag bin ich ein- bis zweimal an meinem Computer”, dort informiere er sich.

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